Teneriffa & Kanaren Journal

Mit freundlicher Genehmigung von Radio Megawelle

April 2007
Los Sabandeños
Klangvolle Botschafter kanarischer Folklore

Was begeistert uns an den Canarios? Zuerst ihre Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden, ihre Freundlichkeit. Was ist so ansteckend? Ihre Fröhlichkeit und Unbeschwertheit, mit der sie ihren Alltag meistern. Zum Angewöhnen wäre das „mañana“. Aber am faszinierendsten ist ihre Leidenschaft, Feste feste zu feiern. Von der Tradition her sind Spanier eigentlich streng religiös. Doch Aus- und Rückwanderer aus Lateinamerika brachten eine ausgelassene Fröhlichkeit mit, ihre Rhythmen und traditionellen Lieder. Weltliche und religiöse „fiestas“ verschmolzen mehr und mehr, und Folklore mit allen Attributen, wie den Trachten, Trommlern, Chören und Instrumentalgruppen sind bei Festen zu Ehren der vielen Heiligen immer dabei. Unter den verschiedenen Folkloregruppen der Insel Teneriffa ragt ein Ensemble hervor, das nicht nur auf der Insel, sondern rund um den Globus populär geworden ist und zu den Besten zählt: „Los Sabandeños“. Sie sind keine Profis, keine Berufsmusiker in ihrem Genre, sondern stammen aus allen Bevölkerungsschichten vom Landwirt bis zum Professor, haben eine Ausstrahlung mit ihren männlichen, differenzierten Stimmen und ihrem Instrumentarium. Nur wenigen Künstlern ist es vergönnt, schon zu Lebzeiten zur Legende zu werden. Die „Sabandeños“ zählen dazu.

Schon 1940 gründete sich ein Gesangs- und Instrumentalensemble in Tejina, bei La Laguna. Die Familie Milán pflegte mit 55 Mitgliedern alte überlieferte Melodien und Gesänge. Haben die „Sabandeños“ dort ihren Ursprung? Denn auch sie kommen aus dem Raum von La Laguna und gründeten sich offiziell 1966. Bei jedem Fest, ob religiösen oder weltlichen Charakters, sind sie die Gefeierten, wenn sie musizieren, und falls sie nicht gerade auf Tournee in der Welt unterwegs sind.

2006 war das große Jahr der Reminiszenz, Rückblick auf 40 Jahre seit ihrer Gründung. Elfidio Alonso Quintero formte das Ensemble. Im Laufe der Zeit hatte es 100 Mitglieder, heute besteht es aus 30 Musikanten. Der engagierte „jefe“, Elfidio, lebt nicht nur für die Musik, er war Bürgermeister (alcalde) von La Laguna, heute ist er Rechtsanwalt und Journalist. Aber seine ganze Leidenschaft gehört der musikalischen Tradition seiner Heimat. Er sammelte und forschte nach alten Melodien, stützte sich auf mündliche Überlieferungen, schrieb eigene Texte und formte neue Weisen. Ganz besonders bereichernd war die Einbeziehung lateinamerikanischer Rhythmen und Musikelemente. Auch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Alfredo Kraus, Eduardo Falú, Mario Benedetti, Olga Guillot, Mercedes Sosa, Francis Rabal u. v. a., sind seinem Engagement zu verdanken. Seine Leidenschaft scheint ungebrochen, nach 54 LPs und CDs, viele als Doppelalben und sogar in Platin. Am gefragtesten sind die CDs voll Romantik, Sehnsucht und Zärtlichkeit wie „3 Reyes Magos, „Nombres de mujeres“, „Teide y nublo“ oder „Diecinueve“. Für das Frühjahr 2007 ist eine neue Produktion geplant.

1972 wurden sie in Madrid „Beste spanische Gruppe“. 1973 waren sie in den USA die „Folkgruppe von internationaler Bedeutung“. Im gleichen Jahr errang das Ensemble den Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde mit über 28 Stunden ununterbrochenem Musizieren von 500 Liedern. Das war der Anfang für die erste Etappe ihrer Plattenproduktion. Die Sabandeños wurden darauf Ehrengäste von San Juan in Puerto Rico und erhielten die Trophäe der Gesellschaft spanischer Autoren.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von Radio Megawelle zur verfügung gestellt.



April 2007
Alles so schön bunt hier ...
Aus alt mach neu - mehr Farbe braucht das Land

Haben Sie gerade eine neue Küche mit weinroten Frontflächen erworben, einen blauen Toaster oder eine schwarze Espressomaschine, vielleicht sogar ein quittegelbes Auto bestellt? Was hat Sie bei der Farbwahl beeinflußt: der Modetrend, Kombinationsbedürfnis oder einfach nur die Lust an der Farbe? Da haben wir es: denn Farben beeinflussen unsere Emotionen.

Entsetzlich wäre es, unsere Umwelt liefe nur wie ein Schwarz-Weißfilm vor uns ab. Zu unseren Sinnenerlebnissen gehören Farbreize. Mit den Augen empfinden wir sie je nach Sättigung und Helligkeit, welche Wellenlängen unsere Netzhäute erregen. Man unterscheidet „kalte“ Farben, blau und grün oder „warme“ rot und gelb. Sie haben aber auch einen Raumwert: Rot erscheint signalhaft näher als blau. Und sie haben Symbolcharakter: Grün steht für Hoffnung, Rot verheißt Liebe, Blau verspricht Treue, Gelb ordnet man Neid zu und Lila ist der „letzte Versuch“. Hat all das unbewußt Einfluß bei der Wahl der Farbe?

Farbmoden gehen wie Fieber um die Welt. Bei der nächsten Saison werden Sie in der Mode diesem Dogma kaum entgehen, was uns die Farbdesigner diktieren – egal auf welchem Sektor. Ein Farbkartell, die „Farbenmacher“ bestimmen schon lange im voraus, ob Garderobe, Haushaltsartikel, Wohnungseinrichtung von „techno-orange“, „latte macchiato“, „eisblau“ oder „cybernatural“ beherrscht wird, wie die Experten das zu nennen belieben.

Meine Betrachtung und Anregung zielt heute auf einen ganz bestimmten Farbstoff und Helfer, nämlich ein wasserlösliches Färbemittel für den Haushalt: die Textilfarbe. In ihr stecken ungeahnte Möglichkeiten der Verwendung. Anders als beim Malen, Lackieren, Drucken oder Anstreichen, dringt der Farbstoff tief in das Material ein, ganz besonders bei Textilien. Außer Stoffen kann man Naturbast, Zement, Gips, Holzflächen, Terrakotta, Muscheln, poröse Steine, getrocknete Pflanzen oder Früchte einfärben. In künstlerischer Variante ist auch die Batikmethode möglich.

Doch bleiben wir zunächst beim Färben von Textilien. Schon Frühjahrsrazzia gemacht im Kleiderschrank, in den Schubladen und dem Wäscheschrank? Was kommt da alles zu Tage! In die hintere Ecke geschoben, zwar noch super im Material, aber verblichen, ausgewaschen, oder man hat sich einfach daran farblich sattgesehen, und es ist nicht mehr „up to date“. Legen Sie einfach alles zurecht, die gebrauchten Vorhänge, T-Shirts, Oberhemden, Tischdecken usw.. „Die Sonne bringt es an den Tag“, sagte der Balladendichter Adalbert von Chamisso. Lassen Sie sich von mir verführen, Ihr eigener „Farbdesigner“ zu sein. Sie werden bald Spaß daran haben. Und ich entwerfe für Sie das Programm.

Der Färbefahrplan
Kaufen wir zuerst die Textilfarbe: „tinte para ropa“. Sie ist in den Kaufhallen auf der Insel bei Alcampo, Mercadona und im Drogeriebereich auch im Corte Inglés in Santa Cruz von der Firma „Lavacolor“ zu erhalten. Die Farbpalette: negro, azul marino und claro, rojo, granate, marón, café, verde oscuro und claro violetta, amarillo und azul jeans. Wenn Sie von Grund auf färben wollen, dann nehmen Sie noch „decolorante de tejidos”, oder „lejia“, ein Bleichmittel, zum vorherigen Entfärben mit. Zu viel Spanisch? Jede Packung hat einen Farbaufdruck zur Orientierung.

Die richtige Farbmenge
Schätzen Sie vorher die Farbpackungen ab, die Sie kaufen wollen, denn ein Oberhemd wiegt etwa 250g, ein Betttuch 800g, ein Bettbezug 800g, Tischdecke 400g und Jeans bis zu 800g.

Welche Materialien kann man färben?
Alle Naturstoffe wie Leinen, Baumwolle, Jute, Seide, Wolle, Viskose und deren Mischgewebe. Material mit Spezialausrüstung und Synthetikstoffe nehmen keine Farbe an. Zu beachten ist, daß die Nähte oft Mischgarne enthalten, also nur bedingt Farbe annehmen. Das endgültige Farbergebnis ist abhängig von der Originalfarbe des Gewebes. Muster werden nicht verdeckt, erscheinen nur farbverändert. Strukturierte Gewebe heben sich interessant ab. Seide wird stets etwas heller im Farbton als geplant. Flecken, Appretur und Weichmacher vorher durch gründliches Waschen entfernen. Für satte Farben reichliche Farbmenge nehmen, sollten Sie eventuell Anhänger der Farbe Schwarz sein. Für brillante, klare, leuchtende Farben vorher Entfärber anwenden.

Färben in der Waschmaschine
Sie staunen? Auch ich war anfangs skeptisch. Es schadet weder der Maschine, noch den Textilien und bildet keine Gefahr für die nächste Normalwäsche. Sie haben auf diese Weise sogar die Möglichkeit, eine dem Gewebe entsprechende Temperatur an der Waschmaschine einzustellen, so wie es das Gewebesiegel vorschreibt. Sie werden sehen, wie leicht, sauber und spannend der Vorgang abläuft, wie die gewünschte Farbe endgültig ausfällt. Sind sie nicht zufrieden, färben Sie nach, oder beginnen einfach von vorn über den Entfärbeprozess.

Der Färbevorgang mit der Maschine
Wäsche in trockenem Zustand wiegen, um die Farbmenge zu bestimmen, danach restlos (!) durchfeuchten. Gummihandschuhe anziehen. Jetzt beim Öffnen der Packung etwas vorsichtig sein, jedes kleine Farbpigment könnte ein Fleck werden. Inhalt der Packung direkt in die Waschtrommel füllen (nicht wie bei früheren Produkten in den Waschmittelbehälter). Danach 500 g Salz über die Farbe verteilen. Darauf die Textilien ungefaltet (wichtig!) in die Trommel legen, möglichst nur die Hälfte der sonst gebräuchlichen Menge. Darauf volles Waschprogramm einstellen mit der für den Stoff höchstmöglichen Temperatur. Also bei Baumwolle bis zu 90 Grad. Kein Spar- oder Schonprogramm wählen! Möglichst vier Spülgänge einstellen, falls vorhanden. Volles Programm durchlaufen lassen. Erst danach, und wenn alles getrocknet ist, kann das Ergebnis begutachtet werden. Zu kräftig ausgefallen? Kein Problem, denn nach der Färbung müssen Sie sowieso 2 bis 3 mal separat waschen, um eventuelle Farbrückstände zu vermeiden. Dabei hellt sich der Stoff schon etwas auf. Immer etwas Essig dazugeben, das festigt die Farbe. Doch vorher sollten Sie die Waschmaschine mit dem beiliegenden Päckchen Chlorbleichmittel wieder in blitzsauberen Zustand bringen, aber ohne Berührung mit Stoffen.

Färben von Hand
Dafür eignen sich kleinere Stoffmengen und empfindliche Materialien wie Seide und Wolle. Das Farbpulver wird in 1 Liter Wasser gründlich aufgelöst. Danach in entsprechend großem Gefäß (kein Metall) wird das Farbbad mit gewünschter Temperatur hergestellt. In der Regel 30 bis 40 Grad.

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März 2007
Im Jahr des Delphins
Schützen wir ihn, bevor es zu spät ist

Das Jahr 2007 wurde von der UNO zum „Jahr des Delphins“ erklärt. Seit Menschengedenken bewundern wir diese wunderschönen, intelligenten Tiere. Doch sie sind bedroht, und zwar durch den Menschen. Zwischen den Kanarischen Inseln leben rund 27 Wal- und Delphinarten, von denen etwa 15 bekannt sind. Viele von ihnen sind bereits vom Aussterben bedroht.

Bis 2008 sollen auf Teneriffa zahlreiche neue Häfen gebaut und bestehende erweitert werden, das hat die tinerfenische Umweltschutzorganisation „Ben Mageg - ecologistas en acción“ erst kürzlich mitgeteilt. Darunter kleinere Yachthäfen, aber auch die Liegeplätze für Fischereiboote sollen um das zehnfache erhöht werden. Wobei es gar nicht soviel Boote oder Fischer auf Teneriffa gibt, die diese benötigen würden. Außerdem sind gar nicht soviel Fische vorhanden, die man fangen könnte. Wer also braucht 15 neue Häfen? Der deutsche Meeresbiologe Volker Böhlke lebt seit zwölf Jahren auf Teneriffa. Er hat Dutzende Studien über geplante Häfen oder künstliche Strände erstellt. Das Thema Korruption geht leider auch an diesem Bereich nicht spurlos vorüber. Denn nur, wenn das Urteil im Sinne der Planer ausfällt, erhalten die Gutachter ihr Geld. Das ist ein Grund, warum viele Meeresbiologen lieber den Aufgabenkreis wechseln, um ihr Gewissen nicht zu belasten. Doch fällt ein Gutachten negativ aus, und das tut es nicht selten, heißt das noch lange nicht, daß das Bauvorhaben gestorben ist, so Böhlke. Im Gegenteil: die letzten Seiten des Berichts werden einfach entfernt. So einfach ist das leider auf den Kanarischen Inseln.

Auch der geplante Hafen in Granadilla wurde so „genehmigt“. Denn der Meeresbiologe kennt eine Reihe von Kollegen, die allesamt ein negatives Gutachten über den Bau des Hafens erstellt haben. Doch nach dem Motto: „Minus x Minus = Plus“ hat die Umweltministerin Milagros Luis Brito ihn dennoch genehmigt.

Genau diese Korruption, dieser Egoismus und diese Gleichgültigkeit der Behörden, der Regierung und des einzelnen Menschen rauben den Meeresbewohnern ihren Lebensraum. Unter den 300 Delphinen und Walen, die in den vergangenen 20 Jahren tot an die Strände gespült wurden, befanden sich 67, die durch menschliche Einflüsse starben, davon 22 durch Einfluß der Fischerei, über 30 nach Kollisionen mit großen Booten, meist Fähren, und 13 Tiere starben durch die Einwirkung militärischer Übungen. Da viele tote Delphine und Wale auch einfach nur auf den Meeresboden sinken, dürfte die Dunkelziffer erheblich höher liegen. Eine regelrechte Jagd auf Delphine und Wale wie in Japan, Südamerika, Dänemark, Rußland und Grönland gibt es auf den Kanaren zwar nicht, aber immer wieder werden Kadaver von Delphinen und Pilotwalen gefunden, denen einige Körperteile fehlen. Volker Böhlke erklärt das damit, daß viele Fischer auf ihren tagelangen Ausflügen mal etwas anderes essen wollen als den üblichen Fisch, und so fangen sie dann mit Harpunen den Delphin und schneiden ihm gewissen Teile des Körpers ab, bevor sie ihn halb tot, halb lebendig zurück ins Meer werfen.

Auch der in den letzten Jahren stark angestiegene Verkehr zwischen den Kanarischen Inseln ist Schuld am Tod vieler Delphine und Wale. Die verspielten Delphine können die Gefahr von Schnellbooten und Jetskis nicht einschätzen und stoßen immer wieder mit ihnen zusammen. Seit der Inbetriebnahme der Schnellfähren 1999 gab es 30 Strandungen – mit Todesursache Kollision. Am stärksten sind dabei die Pottwale betroffen, jedes Jahr verenden einige an ihren riesigen Schnittwunden. Aber auch durch Lärm sind diese Riesen der Meere bedroht. In einer Tiefe von 500 – 700 Metern ist der Schall am konzentriertesten, und die Tiere sind in dieser Tiefe sehr sensibel.

Mit „Lärm“ ist aber nicht nur der Verkehr von Booten an der Wasseroberfläche gemeint. Bei Militärmanövern kommen regelmäßig Delphine und Wale ums Leben. Das Militär verwendet im Moment immer noch Mittelfrequenzsonare, die auf einige Dutzend Kilometer Distanz tödliche Schallstärken für die Meeressäuger haben.

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März 2007
Eine ganze Stadt in Flammen
Die „Fallas“ von Valencia

Daß auf den Kanaren ständig Fiestas gefeiert werden, ist schon legendär. Im Monat März allerdings machen selbst die Canarios mal eine Pause. Wer dennoch aufs Feiern nicht verzichten will, der sollte eines der bekanntesten Feste Spaniens nicht versäumen: Die berühmten „Fallas“ werden in Valencia zum Tag des heiligen Joseph, San José, am 19. März mit großem Aufwand zelebriert.

Valencia verwandelt sich über Nacht. Wo sich sonst täglich der Verkehr staut, thronen ab dem 15. März meterhohe Figuren aus Pappmaché, die berühmten „Ninots“ oder auch „Fallas“. Vier Tage lang wird mit den kunstvollen Monumenten gefeiert, bis sie am 20. März Schlag Mitternacht verbrannt werden. Dabei gehen in wenigen Minuten im Land Valencia schätzungsweise dreißig Millionen Euro in Flammen auf - die Fiesta kennt kein Pardon.

An nahezu allen Wohnhäusern wird in Valencia durch weiß-blaue Tafeln bescheinigt, daß das Gebäude feuerversichert ist. Eine Feuerversicherung ist hier auch unbedingt erforderlich, denn das Frühlingsfest ist im wahrsten Sinne des Wortes die explosivste Fiesta des Landes. Am frühen Morgen des 15. März erhebt sich eine selten erlebte Stille über die drittgrößte Stadt Spaniens. Aber nur für kurze Zeit, denn die Künstler brennen darauf, den Bewohnern voller Stolz ihre frisch aufgebauten Werke zu präsentieren. Die größten Skulpturen sind haushohe Gebilde, die oft mehr als zehn Tonnen wiegen und teilweise über 100.000 Euro kosten. Neugierig spazieren nun die Bewohner Tag und Nacht durch die Straßen, um die fantasievolle Arbeit eines ganzen Jahres zu begutachten. Die meisten Fallas widmen sich, ähnlich wie bei unseren Karnevals-Umzügen, einem zentralen Thema der Zeitgeschichte. Eine Falla kann sogar mit zahlreichen Figuren in Szenenfolgen eine ganze Geschichte erzählen. Die größten Fallas sind derart komplex, daß spezielle Programmhefte verkauft werden, in denen alle Details erklärt werden.

Während der Frühlings-Fiesta avanciert Valencia zur lautesten Stadt Europas. Jeden Tag um 14 Uhr findet am Rathausplatz ein ohrenbetäubendes Spektakel, die Mascleta, statt. Gigantische Mengen von Feuerwerk und Knallkörpern detonieren in einer von Pyrokünstlern jeden Tag neu bestimmten Reihenfolge um die Wette. Während den ausländischen Besuchern fast die Trommelfelle platzen (im Jahr 2006 wurden hierbei Lautstärken bis 117 Dezibel gemessen), nehmen die Valencianer das Spektakel vermutlich als Musik wahr.

Am Abend des 18. März versinkt der Vorplatz der Kathedrale in einem Blumenmeer und einer Orgie von Düften. Fast 50 Tonnen Blumen, die aus ganz Spanien nach Valencia eingeflogen wurden, braucht man für diese Prozession. Bei der „Ofrenda de flores“, der „Zeremonie der Blumengabe“, ziehen bis zu 200.000 Menschen festlich gekleidet an der 14 Meter hohen Holzstatue der Heiligen Jungfrau vorüber und legen ihr Tausende von Blumensträußen zu Füßen. Vorneweg marschieren Musikkapellen, dahinter Frauen in altvalencianischer Tracht. Diese werden für beträchtliche Geldsummen in Spezialschneidereien in Valencia monatelang hergestellt. Nicht selten wird ein ganzes Monatseinkommen in die Tracht investiert. Für viele Familien ist es das Größte, eine trachtengeschmückte Tochter als wunderschön herausgeputzte „Fallera“ ins Rennen zu schicken.

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März 2007
Von Drachen und ihren Bäumen
Teneriffas Wahrzeichen: Der Drachenbaum

Zu den faszinierendsten Eindrücken der kanarischen Pflanzenwelt gehört für Reisende, Fremde und Touristen der „Drago“, wie ihn die Einheimischen nennen. Diesem Blickfang kann sich keiner entziehen. Palmen, Kakteen und andere südländische Pflanzen hat man auf der gepriesenen Insel mit ausgeglichenen Klima erwartet, aber nicht so einen „zauberhaft“ anmutenden Baum mit skurrilem Wuchs, der sich von allen bisher gesehenen Baumarten in seinem Charakter unterscheidet.

Sein dicker, hoher Stamm wirkt oft lederartig beige/braun überzogen, wenn er jung ist. Zur Blattkrone hin ist er meist schuppig und verkrustet. Bei alten Exemplaren ist der Stamm knorrig verstrebt, seine Blattkrone üppig verzweigt, mit brokkoliartigen Schöpfen. Dunkelgrün sind die wie Zungen ausgestreckten Blätter, bis zu 60 cm lang und 5 cm breit. Ein bis zweimal im Jahr kann er blühen, Weiß, Gelb oder Rosa. In üppigen Trauben hängen dann die orangefarbenen Früchte nach der Reife herab. Eine Delikatesse für die Vögel, die sich in dem dichten Blattwerk sehr wohl fühlen. Wird die Rinde angeritzt, tritt der einstmals begehrte Saft aus, der sich an der Luft verdickt und dunkelrot färbt.

Die Dragos stehen wie locker über die Insel verstreut, ohne Tendenz zu großen Gruppenbildung. So, als hätte jemand den Samen vom Himmel regnen lassen. Uralt ist dieser Baum, ein Relikt aus dem Tertiär, ein lebendes Fossil, wie versteinerte Funde in Südfrankreich bestätigen. Die Eiszeiten veränderten biologisch und geologisch den gesamten Mittelmeerraum bis nach Marokko, bildeten den Raum „Makronesien“ mit den Azoren, Madeira, den Kanaren bis zu den Kapverden. So ist es nicht verwunderlich, daß in diesem Gebiet, sogar bis in das Atlasgebirge Nordafrikas, unterschiedliche Spezies derselben Urform zu finden sind. Ökologisch gehört der Drachenbaum in das Gebiet der „thermosklerophyllen Vegetation“ mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 16 bis 18 Grad bei einer Höhenlage von 50 bis 500 Metern und mäßigem Wasserverbrauch.

Bis heute ist der Drachenbaum immer noch Forschungsstoff für Wissenschaftler. Die Ikonen der Insel, ihr wahres Alter und die Herkunft sind noch nicht restlos enträtselt. In einem Dekret des Naturschutzes in der „Berner Habitatrichtlinie“ vom Jahre 1991 wurde dieser Baum zum Wahrzeichen der Insel Teneriffa erklärt. In alten Wappen der Städte und der Adligen war er schon lange Wahrzeichen und Symbol, gemeinsam mit dem Drachen. Man hielt sie für Hüter des Göttergartens der „Hesperiden“, mystischer Geschöpfe. Wie kamen diese Bäume nun aber auf den Archipel? Eine von vielen Legenden erzählt, daß feuerspeiende Drachen mit schuppigem Echsenkörper, Löwentatzen, Krokodilschwanz und großen fledermausartigen Schwingen über die Insel geflogen sind. Hin und wieder verloren sie einige Schuppen von ihrem Körper. Diese wurden, vom Drachenblut getränkt, zum Samen und ließen die Pflanzen sprießen. So sahen es die Guanchen, die Ureinwohner der Insel, in ihrer mystischen Vorstellung. Eine andere Legende überliefert die Geschichte vom abgeschlagenen Drachenkopf, der ausblutend, neue Köpfe wachsen ließ, ähnlich den Verästelungen der Baumkrone. Nach diesen archaischen Phantasiegebilden soll der Baum seinen Namen bekommen haben. Die Germanen hatten ihren Helden Siegfried, der im Blut des von ihm erschlagenen Drachen gebadet hat. Unverwundbar damit geschützt bis auf eine Stelle, die ein Blatt bedeckt hatte. Der Heilige Georg wurde zum Schutzheiligen Englands, nachdem er einen Drachen erschlagen hatte. Herakles tötet den Drachen Ladon, ein Ungetüm mit 100 Köpfen. Dieses populärste animalische Geschöpf wird meist als bösartig angesehen. Nicht so in China, wo der Drache Glück bringt, auch nicht bei den Guanchen, denn er gab ihnen seinen Saft, ein Heilmittel, das „Drachenbaumblut“, weil es sich an der Luft rötlich färbt. Und den heute gültigen botanischen Namen legte der Naturforscher Carl von Linné in seinem „Systema Naturae“ 1735 fest: „Dracaena Draco“, entstanden aus griechisch „Draikaina“ und Latein „Draco“.

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Februar 2007
Weitgereiste Weltenbummler
Typisch kanarisch - der Kanarienvogel

Glück muß man schon haben, wenn man unseren kleinen Konzertsänger der Inseln zu dieser Jahreszeit sehen will. Vögel haben ihren eigenen Sensor wann der Tag beginnt. Schon im Morgengrauen beginnen die Sänger zu quirilieren. Jeder hat seine eigene Tonart und Intervallfolge.

Hochzeit ist bei den Pärchen bereits im Februar. Unerklärbar war mir bisher der Brauch der Sorben, Volksstamm slawischer Herkunft, die mit viel Fröhlichkeit und Kostümierung die „Vogelhochzeit“ bereits bei Kälte und Schnee feiern. Hier, bei milden ausgeglichenen Klima ist mir das verständlich. 3 bis 4 Mal werden Nester gebaut, 3 m über dem Boden, aus Wurzeln, Gräsern und was sich so anbietet – auch mal aus neumodischem Plastikmaterial. Jeweils bis zu fünf junge Flatterchen werden pro Brut großgezogen. Verhaltensforscher vom Max-Planck-Institut haben festgestellt, daß weibliche Kanarienvögel sehr empfänglich sind für sexy Lieder. Je attraktiver der Minnegesang, um so größer werden die gelegten Eier. Um die Zeit der Werbung spielt der Hormonspiegel verrückt, und schon mit dem Morgengrauen singen die Männchen ihre Auserwählte von hohen Pfosten und Laternen an, um zu beweisen, daß sie das männliche Geschlecht sind. Schließlich müssen sie Weib und die Jungen ernähren, füttern und das Revier verteidigen.

Carl von Linné, der schwedische Naturforscher gab ihm 1758 im „Systema Naturae“ den lateinischen Namen „Serinus Canaria“. Er gehört also zu der Art der Finkenvögel und der Gattung der Girlitze. Über den hier noch lebendenden Kanaren-Girlitz gibt es eine spannende Geschichte, wie er sich die Welt erobert hat, seine seltsame Verwandlung, um letztendlich wieder so zu sein, wie wir ihn hier in seiner Urform erleben. Mit Trillern, Rollern und Schnalzern.

Wie sieht er aus? Ungefähr 12 cm groß, streifig-olivgrün, an Brust und Bauch mehr gelb gefärbt. Seine Strichelung zieht sich von den Seiten des Schnabels abwärts bis zu einem schwarzen Backenbart, auch „Achatbart“ genannt. In diesem Kleid finden wir ihn auf den Kanaren, besonders auf Teneriffa, sowie auf Madeira und den Azoren. Wie immer in der Vogelwelt ist das Weibchen unscheinbar, bräunlich-grau gefärbt. Der Speisezettel der Familie besteht aus Wildkräutern, Samen, Früchten und kleinen Insekten.

Der Weitgereiste
Aber wie wurden die Vögel zu Weltreisenden, daß man ihnen heute von Grönland bis Feuerland, von Alaska bis Sibirien begegnet? Folgen wir ihm: Schon die Urbevölkerung der Inseln hatte Freude an dem Gesang ihres munteren Vögelchens. Sie fingen ihn, steckten ihn in Käfige und verkauften ihn. Aber an wen? An die Spanier! Mitte des 15. Jhd. eroberten diese die Inseln und nahmen statt fehlender Goldschätze einen anderen Schatz mit, wie sich zeigen sollte: den Kanarienvogel. Er war das Käfigleben schon gewohnt, wurde zu einer neuen Goldquelle. Dieser Arien singende, zutrauliche Vogel war begehrt und zunächst sehr teuer. Spanische Mönche züchteten, kreuzten ihn und trieben lebhaften Handel – aber nur mit den Hähnen und ihrem schmeichelhaften Gesang: Die Weibchen blieben hinter Gittern. So konnten die raffinierten Mönche weit bis in das 16. Jhd. ihr Monopol sichern. Durch rege Handelsschifffahrt kamen die fröhlichen Vögelchen unter dem Begriff „Kanarien“ auch nach Italien, Frankreich und England - in kunstvoll verzierten Käfigen zu den Damen am Hofe, in die Salons von Madrid, auch an den französischen Hof des Sonnenkönigs, als Symbol für Reiselust und ferne Inseln.

Man gab sich nicht zufrieden. Züchtung und Kreuzung führten zu neuen typischen Merkmalen: Gesang, Farben, Gestalt avancierten zum züchterischen Interesse. Und wie kamen die Weibchen, die hinter Gittern gehalten wurden nun wieder zu ihren Männchen?

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Februar 2007
„La Vida es un Carnaval“
Teneriffa im Rausch der Farben

„La Vida es un Carnaval” – sang Celia Cruz schon vor vielen Jahren. Mit dem brillanten Song stieg die Sängerin zu einem Superstar der Salsa-Szene in ihrem Heimatland Kuba auf. Doch man könnte meinen, daß sie diesen Song für Teneriffa geschrieben hat: Die mittlerweile verstorbene Salsa-Königin hat den Karneval auf Teneriffa entscheidend mitgeprägt. 1987 verführten ihre Lieder eine Gruppe von 250.000 Menschen zum Tanzen – ein Rekord, der mit einem Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde belohnt wurde. Gefeiert wird der Karneval übrigens schon seit dem 17. Jahrhundert, und die Spanier schafften es sogar während der Francozeit die närrische Zeit, offiziell verpackt als „Winterfest“, zu begehen.
Karneval auf Teneriffa, das ist ein Rausch der Farben, ein Fest der Freude und der Sinne. Das öffentliche Leben ruht, die Schulen bleiben eine Woche lang geschlossen und auch nach Aschermittwoch wird auf den Straßen nächtelang gefeiert. Auf den Kanaren treten die Jecken zu einem Faschingsmarathon an: Während der 27 Tage finden viele wichtige Feierlichkeiten wie die Wahl der Karnevalskönigin, Wettbewerbe von Straßenbands, Prozessionen und beeindruckende Straßenumzüge statt. Doch wenn man meint, daß 27 Tage und Nächte schon rekordverdächtig sind, dann hat man sich getäuscht: Am ausgiebigsten wird der Karneval wohl in Uruguay zelebriert. Mit über 40 Tagen gilt er als der längste, wenn auch nicht der größte Karneval der Welt. In diesem Jahr beginnt das lang erwartete Fest in Santa Cruz schon Ende Januar mit der Vorstellung der Karnevalskandidatinnen. Prämiert wird nicht die Schönste, sondern das schönste Kostüm. Doch hier werden nicht wie am Rhein weiße Seide und Rüschen oder Goldborten zur Schau gestellt: In Santa Cruz warten atemberaubende und zugleich kreative Kleider mit endlosen Schleppen auf. Die Gala zur Wahl der Königin erhält in diesem Jahr den besonderen Schliff durch die Verpflichtung des bekannten spanischen Tänzers und Choreographen Rafael Amargo als leitender Direktor.
Am Faschingsdienstag wird dann der große Straßenumzug von der frisch gekürten Königin 2007 angeführt. Ein Umzug, der Rio de Janeiro durchaus Konkurrenz macht. Aber bei aller Musik und bunter Pracht fehlt es auch auf den Kanaren nicht an Satire und politischer Kritik. So üben die Canarios einerseits anhand ihrer einfallsreichen Kostümierung Kritik an den aktuellen Geschehnissen, andererseits sorgen die berühmten „Murgas“ (Gesangsgruppen) gemeinsam mit den „Comparsas“ (prachtvoll ausstaffierte Tanzgruppen) für bissige und kritische Töne.
Auf den Kanareninseln steht der Karneval unter einem jährlich wechselnden Motto. So lautet das diesjährige Karnevalsthema von Santa Cruz „Fashion 2007“. Der eigenen modischen Phantasie werden keine Grenzen gesetzt. Auch jede vom offiziellen Jahresthema abweichende Verkleidung ist gern gesehen. Traditionell sind drei Outfits mit von der Partie: Charly Chaplin, Fidel Castro und Groucho Marx. Natürlich darf Miss Gran Canaria von der Konkurrenzinsel nicht fehlen. Meist wird sie als fette Sau im engen Ballettkleidchen dargestellt. Jedes Jahr sieht man, noch immer unter Mißbilligung der katholischen Oberhäupter, viele Männer in Frauenkleidern. So gibt es im Archiv von Santa Cruz noch ein Dokument aus dem 18. Jahrhundert, das Verkleidungen, die das Geschlecht veränderten, verbot. Heute lebt man sich rund um die Plaza de Principe ganz ungeniert als „Charlys Tante“ munter tuntig aus.
Ein Spektakel nicht minderer Art ist das große „Begräbnis der Sardine“, das das Ende der Karnevalstage einläutet. Ein riesiger Pappmaché-Fisch wird nach einem reich geschmückten und ausgelassenen „Trauerzug“ unter Musik und Feuerwerk „begraben“, genauer gesagt: verbrannt. Man weint, tanzt und schluchzt im ersterbenden Trommelwirbel – die Sardine endet auf dem Scheiterhaufen. Wenn in der Hauptstadt dann alles ziemlich vorbei ist, fängt es in anderen Ortschaften erst richtig an. In Puerto de la Cruz und La Orotava gehen die Feste noch tagelang weiter, und wer anschließend immer noch nicht genug hat, ist herzlich zum Karneval in Los Cristianos oder Tacoronte eingeladen.

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Januar 2007
Verführerischer Liebestrank - „Esencia de amor“
neue Inszenierung von Carmen Mota

Seit nunmehr sieben Jahren hat sie ihren festen Platz im Kulturleben Teneriffas: die Madrileña Carmen Mota versteht es immer wieder, mit ihren Aufführungen in der „Pirámide de Arona“ zu begeistern. Ihr neues Stück „Esencia de amor“ stellte sie Anfang Dezember der Presse und einem dankbaren Publikum vor.
Carmen Mota tanzte schon mit 17 Jahren in den Ensembles berühmter Flamencotänzer und -tänzerinnen wie Carmen Amaya, Lola Flores oder Antonio. Später wurde sie selbst zur Choreographin und entwickelte ihren eigenen Stil, der durch einen unbefangenen Eklektizismus geprägt ist, d.h. sie verwendet Stilmittel aller Epochen spanischen Tanzes und internationaler Musik, nimmt sie auseinander und setzt sie neu wieder zusammen. Das Ganze wird ästhetisch aufbereitet und unter Benutzung moderner Bühnentechnik zeitgemäß präsentiert. Das Publikum dankt es ihr, denn jedes Jahr gelingt es ihr aufs Neue, nicht nur Urlauber sondern auch Residenten und Einheimische für ihre Shows zu gewinnen. Dabei wird auf spanische Dialoge weitgehend verzichtet, so daß auch des Spanischen Unkundige der Handlung leicht folgen können.
In den letzten Jahren überläßt Carmen Mota mehr und mehr die Inszenierung ihrem Sohn Joaquín Marcelo, der schon als Kind nach einer Krankheit taub wurde, es aber dennoch geschafft hat, Tänzer zu werden, indem er die Rhythmen der Stücke verinnerlichte. Stilistisch ist er gleich seiner Mutter geprägt vom Flamenco, der folglich auch immer wieder in den Aufführungen die tragende Rolle spielt. Wie schon bei „Romeo in Love“, dem Musical der vergangenen Saison, zeigen die etwa 30 Tänzerinnen und Tänzer ihr Können im ersten Teil vor allem in orchestralen Szenen klassischer Werke. Zur Aufführung kommen dabei u.a. die Orffschen „Carmina Burana“ in einer modernen Adaptation der Gruppe „Dire Straits“, Ravels „Bolero“ sowie ein „Tango nuevo“ des unvergessenen Astor Piazzolla. Bei all diesen Stücken besticht die tänzerische Präzision des Ensembles, verstärkt durch den virtuosen Einsatz von Licht und Farben sowie der darauf abgestimmten prächtigen Kostüme. Obwohl die Musik nicht live gespielt wird, wirkt sie doch sehr lebendig durch die häufigen rhythmischen Einsätze der Tänzer, sei es durch flamencotypisches Klatschen („palmeo“) oder Fußstampfen („zapateo“).

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Januar 2007
Lotoseffekt und Nanotechnologie
Neue Produkte erobern Teneriffa

Hans Joachim Grupe ist Diplom-Ingenieur und seit zehn Jahren auf Teneriffa ansässig. Der erfahrene, agile 63–Jährige hat sich zum Ziel gesetzt, die Mängel in der kanarischen Bauweise anzugehen und vorbeugend darüber aufzuklären. „Es geht mir nicht in den Kopf, daß ausgerechnet hier, auf den Kanaren, die für ihr tolles Klima weltberühmt sind, die Menschen reihenweise in ihren Schimmelbuden krank werden!“, sagt er zornig. Als Planer und Erbauer des ersten YTONG-Hauses auf den Kanarischen Inseln schuf er auch für kanarische Interessierte ein anschauliches Beispiel gesunder Bauweise. Das Megawellen Journal traf ihn in seinem neuen Büro in Los Silos.

MW: Herr Grupe, was ist eigentlich „Nanotechnologie“?
JG: Sie ist die „Technologie des dritten Jahrtausends“. Mit Nanotechnologie werden Werkstoffe und Materialien mit neuen Bahnbrechenden Eigenschaften hergestellt, indem kleinste Struktureinheiten und Teilchen aus dem Periodensystem der chemischen Elemente gezielt aufgebaut werden. Bisher war die Konstruktion in Nano- Dimensionen eine Domäne der Natur: Seit Jahrmillionen „baut“ sie nach dem bewährten Prinzip unsere Welt aus Pflanzen, Tieren und Menschen. Darauf greift die Nanotechnologie jetzt zurück. Das Wort „Nano“ bedeutet auf Griechisch „Zwerg“, und ist eine Abkürzung für ein Milliardstel. So ist z.B. ein Nanometer der millionste Teil eines Millimeters. Die Nanotechnologie arbeitet also im Bereich der kleinsten Bausteine der Materie, der Atome und Moleküle. Insofern ist die Chemie die Schlüsselbranche für die Herstellung von Strukturen im Nanobereich. Ein Objekt in Nano-Größe verhält sich in der Größe zu einem Fußball wie der Fußball zur Erde.

MW: Und was ist der „Lotoseffekt“?
JG: In asiatischen Kulturen gilt die Lotusblume schon immer als Symbol vollkommener Reinheit. Diese Pflanzen entfalten sich makellos und absolut sauber aus den schlammigsten Gewässern. Von ihren Blättern perlt Regenwasser ab und nimmt jeglichen Schmutz gleich mit. Selbst zähflüssige Substanzen wie Harz, Honig, Öl oder Klebstoff finden keinen Halt, weil sie nur sehr wenig Kontakt mit der Oberfläche haben. Der „Lotoseffekt“ bezeichnet also einen Prozeß der „Selbstreinigung“, bei dem jeglicher Schmutz einfach mit dem Wasser abfließt. Durch die Nanotechnologie ist man heute in der Lage, die Struktur des Lotosblattes nachzubauen. Diese „Nanoveredelung“ geht eine feste Verbindung mit der Oberfläche ein und wird Teil derselben. So kann auch nicht mehr von „Beschichtung” gesprochen werden. Materialien können dadurch mit zusätzlichen Eigenschaften versehen werden, die weit über alles bisher Bekannte hinausgehen. Hieraus resultieren beispielsweise neuartige leicht zu reinigenden Oberflächen bei denen Wasser völlig ausreicht, um Verschmutzungen mühelos mit einem Wisch zu entfernen. MW: In welchen Bereichen finden die einmaligen Eigenschaften der neuen Stoffe noch Verwendung?JG: Obwohl ich mich berufsbedingt überwiegend mit den Anwendungsgebieten im Bauwesen befasse, sind andere Bereiche in denen die neue Technologie bereits verwendet wird nicht minder interessant. Eine der hervorragenden Eigenschaften nanotechnischer Produkte ist ihre völlige Transparenz, so daß durch die Aufbringung keine Farbunterschiede auf den behandelten Flächen entstehen. Dann sind sie wegen ihrer chemischen Stabilität vollkommen Kratz- und Abriebfestigkeit und die Materialien behalten ihre elektrische Leitfähigkeit bei perfektem Korrosionsschutz. Durch die Tatsache, daß einige Merkmale beliebig miteinander kombiniert werden können, entstehen multifunktionale Produktinnovationen. Beispielsweise verhindert eine Anti-Haft-Veredelung auf Glas permanent dessen Verschmutzung.

MW: Jetzt muß ich doch die Hausfrauenfrage stellen: Heißt das, das man Fensterscheiben nie wieder putzen muß?
JG: Zumindest muß man mit Nanotechnologie behandelte Glasflächen sehr viel seltener reinigen und kann auf teure Putzmittel ganz verzichten. Theoretisch könnte man bei Regen sogar ohne Scheibenwischer fahren, so gut würde das Wasser von der Windschutzscheibe abperlen. Das trifft übrigens auch auf Keramik und Metalle zu, und für Kunststoffe gibt es „Kratzfest-Systeme“. Auch in der Herstellung von Alltagsprodukten wie Regen- oder Schmutzabweiser, Sonnenschutzmittel, Wundverbände mit antibiotischen Eigenschaften, Verbundstoffe für Autos etc. entfaltet die Nanotechnologie ihre vielseitige Verwendbarkeit. Die Deutschen sind derzeit auf dem Gebiet der Nanotechnologie übrigens führend in Europa, und es dauerte über 40 Jahre, bis die industriellen Voraussetzungen geschaffen waren, um die Nano-Technik umzusetzen. Ich erinnere mich wieder an meine Schulzeit: „Chemie ist das was stinkt und Physik ist das was nie gelingt“ - langweilig und damit basta! Aber mit Beginn meiner Studienzeit änderte sich meine Einstellung bis heute grundlegend: „Chemie und Physik sind immer und überall und darum auch ungemein spannend“.

MW: Wie können Nanotechnologie und Lotoseffekt im täglichen Leben helfen?
JG: Die meisten der „intelligenten“ nanoveredelten Materialien haben eine so genannte „easy-to-clean“-Oberfläche, die mühelos nur mit Wasser gereinigt werden kann und deutlich seltener gereinigt werden muß. Das bedeutet einen drastisch geminderten Einsatz von teuren Reinigungsmitteln, insbesondere im Haushalt. Ansonsten findet sie mittlerweile auf fast allen Materialien und in allen Sparten - Medizin, Kosmetik, Lebensmittel Elektrotechnik, Automobilindustrie, Bautechnik, usw. - sowohl in der Industrie als auch im privaten Bereich Anwendung.

MW: Gibt es Qualitätsunterschiede, und worauf muß der Verbraucher achten?
JG: Weil sich mittlerweile eine ständig wachsende Zahl von Herstellern und Anbietern von verschiedenen Nanoprodukten etabliert hat, wird es für den Kunden immer schwieriger, die Qualität und Wirkung der angebotenen Erzeugnisse zu erkennen und einzustufen.Der Wirkstoffgehalt eines Produktes, das heißt: die Menge der Nanopartikel in der Trägerflüssigkeit, ist für die vom Hersteller angegebene Funktion und Wirkung entscheidend. Danach richtet sich auch der Preis. Der in diesem Zusammenhang oft zitierte Begriff „Lotoseffekt“ ist zwar optisch sehr auffällig und plakativ, dennoch sagt er wenig über die erhoffte oder gewünschte Langzeitwirkung und Funktion eines Nanoproduktes aus. Selbst qualitativ hochwertige wasserabweisende Nanoprodukte, die unter anderem auch als Witterungsschutz dienen, verlieren durch UV-Strahlung den „Lot0seffekt“ schon nach relativ kurzer Zeit. Ihre wasser-, öl- und schmutzabweisende Wirkung behalten sie jedoch über einen wesentlich längeren Zeitraum bei. Wer sich als privater Käufer nicht sicher ist, kann sich aber vor der Anwendung ja den fundierten Rat bei einem Fachmann einholen. So lassen sich kostspielige Fehler leicht von vorn herein vermeiden.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von Radio Megawelle zur verfügung gestellt.



Januar 2007
1001 Paläste – fern und doch so nah
Eine Reise zu den Königsstädten Marokkos

Seitdem die kanarische Fluglinie BINTER regelmäßig die Linie Las Palmas – Marrakesch befliegt, ist der Orient den Kanaren merklich näher gerückt. Kaum zwei Stunden dauert der Flug, der den Reisenden in die märchenhafte Welt des „Maghreb“ (arabisch für „Westen“) der muslimisch-arabischen Welt versetzt. Mußte man früher weite Umwege über Spanien in Kauf nehmen, so verlockt die schnelle Verbindung so manchen zu einem Abstecher. Vor allem der Marokko-Kenner, der gebürtige Isländer Einar Bjarnason, hat sich auf kleine aber feine Gruppenreisen dorthin spezialisiert. Im Herbst 2005 hatten wir ihn durch den Süden des Landes begleitet und im Journal der MegaWelle darüber berichtet, nun stand der Norden mit seinen Königspalästen auf dem Programm.
Nachdem uns der „Inselhüpfer“ von TF-Nord nach Gran Canaria gebracht hatte, ging es ruhig und bequem über 820 Flugkilometer nach Marrakesch. Nach der schnellen und freundlichen Zollkontrolle warteten schon Fahrer Mohammed mit seinem Kleinbus auf die 12-köpfige Reisegruppe. Beide sollten uns treu und sicher auf der gesamten Reise begleiten. Das Hotel war – wie auch die anderen der Reise – gut gewählt, das Zentrum Marrakeschs lag nicht weit entfernt. Diese erste unter den Königsstädten bezaubert immer wieder mit ihrem orientalischen Flair, welches sie zu einem Touristenmagneten werden ließ. „Die über den Atlas geworfene Perle“ nannte sie der andalusische Dichter Hafsa Bint el Hadj im 12. Jahrhundert, und davon hat sie sich vieles bis heute bewahren können. Im jahrhundertelangen Kampf der Berberstämme gegen die arabischen Eroberer, aber auch im Kampf der Dynastien untereinander, wurde der Amtssitz der Kalifen und Könige immer wieder verlegt. Machtkämpfe und Zerstörung, aber auch Konsolidierung und Wiederaufbau, oft noch prächtiger als zuvor, prägten die Geschichte des Landes und hinterließen so vielfältige Spuren, auf denen zu wandeln sich lohnt. Marrakesch, gegründet gegen 1070 von den arabischen Almoraviden, war eine der frühen arabischen Kulturleistungen im Westen Afrikas. Die Paläste mit ihren Gärten hier aufzuzählen führte zu weit – ein Erlebnis ist darüberhinaus ein Rundgang über den Gauklerplatz mit seinen Händlern, Wasserverkäufern und Märchenerzählern. Durch die berühmten Souks sollte man sich führen lassen – so mancher, der es auf eigene Faust versuchte, hat sich dort schon verlaufen. Ein ganzer Tag auf Schusters Rappen durch diese Stadt vermag zwar nicht alles Sehenswerte zu zeigen, ist als „Einstieg“ in diese fremde Welt aber fürs erste erschöpfend. Intensiv sind die Sinneseindrücke, die Gebäude, die Farben der Stoffe, die Musik, die Gespräche und vor allem die Düfte der Gewürze in den Gassen der Medina, der Altstadt.
Auf der langen Fahrt nach Norden hat man dann Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten und sich auf das zu freuen, was einen erwartet. Casablanca, die moderne Hafenstadt, ist das nächste Ziel. Hier gibt es nur einen Aufenthalt an der zweitgrößten Moschee der Welt, die, am Ufer des Atlantiks gelegen, 25.000 Menschen Platz bietet (Bild oben). Übrigens eine der ganz wenigen in Marokko, die auch von Nicht-Moslems betreten werden dürfen. Die Stadt selbst wuchs erst im 20. Jahrhundert unter dem französischen Protektorat und hat daher wenig „typisches Flair“ zu bieten. Weiter geht’s in die jetzige Hauptstadt Rabat, die Hauptresidenz des Königs, der Regierung und Diplomaten.

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Dezember 2006
Schule unterm Baum
Die MegaWelle unterstützt ein Hilfsprojekt im Senegal

Noch sind uns die Bilder frisch im Gedächtnis, wie Tausende von Afrikanern in Booten die kanarischen Küsten erreichten, in der Hoffnung, hier eine bessere Lebensqualität zu finden als zu Hause. Eine Hoffnung, die trügerisch ist, denn bei überfüllten Arbeitsmärkten bleiben den Immigranten nur die schlechtbezahltesten Arbeiten - wenn überhaupt - oder das Abdriften in die Kriminalität. Die Devise muß daher heißen: Den Menschen dort helfen, wo sie leben - in ihrer Heimat!
Bildung ist der Schlüssel zur Entwicklung, und an Schulen mangelt es überall in Westafrika. Die MegaWelle hat sich daher entschlossen, zusammen mit Misereor ein Projekt im Senegal zu unterstützen, das Schulen dort hinbringt, wo es noch keine gibt: aufs Land. Da es an Räumen mangelt, wird oft auch im Freien unterrichtet. Daher heißt das Projekt „Schule unterm Baum“.
Anfang der 80er Jahre begannen der Orden der „Frères de Saint Gabriel“ ein ländliches Ausbildungs- und Alphabetisierungsprogramm in der Diözese Tambacounda. In kleinen „Busch-Schulen“ („écoles des brousse“) werden Jungen und Mädchen unterrichtet. Es handelt sich dabei um nicht-formelle Schulen, die in Eigenleistung von den Eltern erbaut und von den Eltern selbst geführt werden. Schüler haben dort die Möglichkeit die Klassen eins bis drei zu besuchen. Der Unterricht beinhaltet neben den üblichen Fächern auch viel landwirtschaftliche Praxis. Tambacounda liegt im Südosten des Senegal und grenzt an Mauretanien, Mali und Guinea. Es handelt sich um eine sehr vernachlässigte Region, deren südlicher Teil als Brennholzlieferant dient. Der intensive Jagdtourismus durch Europäer plündert die Fauna aus und schafft kaum Arbeit. Schlechte Infrastruktur, Armut und hohe Arbeitslosigkeit sind für junge Menschen Gründe, der Region den Rücken zu kehren und in die ca. 500 km entfernte Metropole Dakar abzuwandern. Insbesondere in den abgelegenen Dörfern an der Grenze zu Guinea ist der Analphabetismus groß und der Schulbesuch äußerst gering. Mädchen besuchen sehr viel seltener als Jungen die Schule. Grundbildung, vor allem für Mädchen, gilt als Schlüssel zu allen anderen Entwicklungsaktivitäten. Dies trifft besonders auf diese abgelegene Region zu. Die Zielgruppe des Projektes sind Mädchen und Jungen aus armen Bauernfamilien, die an der Grenze zu Guinea leben. Sie sollen eine Grundbildung erhalten und werden nach Möglichkeiten in das formelle Schulsystem integriert. Zu diesem Zweck werden Ausbilder angelernt sowie ein Dutzend Schulgärten und Baumschulen betreut. Insbesondere für Mädchen und Frauen erhofft man sich so eine Verbesserung ihrer Situation.

AktivitätenNötig sind die Bestandsaufnahme in den Dörfern, Finanzanalyse, Personal wurde ausgesucht, pädagogische Ausbildung erteilt, Untersuchung der bereits realisierten Maßnahmen und die Registrierung der Schüler. 18 Dörfer sind Teil des Programms. Ein Koordinator sowie ein Leiter wurden neben 30 Ausbildern eingestellt.
Entwicklungsziele Reduzierung des Anteils der Analphabeten in der Region sowie Ausbildung aller Anwärter des Alphabetisierungsprogramms. Des weiteren sollen die familiären Rahmenbedingungen verbessert werden, um so möglichst gute Bedingungen für eine weitere Alphabetisierung zu erreichen.
Bisherige ErfolgeBisher konnte bereits eine Reduzierung der Analphabetenrate erzielt werden. Den Alphabetisierungskurs nutzen bereits 500 Kinder in 18 Dörfern. Das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen ist ausgeglichen 1:1. Sie stellen insgesamt 30 Klassen. Mit der Schaffung von zwölf Baumschulen sowie weiteren Obstgärten wurde ein wichtiger Grundstein gelegt.

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Dezember 2006
Spanien im Lottofieber
Die Weihnachtslotterie versetzt Spanier in Hysterie

Spanien verspielt mehr Geld, als es in Forschung und Bildung investiert. Gleichgültig ob es sich dabei um Bingo, Fußballwetten, Glücksspielautomaten oder Lotterien handelt, die Kassen klingeln. In richtige Hysterie versetzt die Spanier jedoch nur „El Gordo“ (Der Fette). Kein Wunder, denn bei der jährlichen Weihnachtslotterie werden Summen ausgeschüttet, die unsere Lottogesellschaften vor Neid erblassen lassen. Die „Lotería de Navidad“ ist die Verlosung mit den höchsten Prämien der Welt.
Schon seit Mitte August stehen die Spanier Schlange, um ein Los für die Weihnachtslotterie zu ergattern. 85 000 verschiedene Nummern hat die staatliche Lotterie- und Wettgesellschaft „Loterías y Apuestas del Estado“ (LAE) in diesem Jahr drucken lassen. Nicht nur die Auflage wurde in diesem Jahr erhöht, auch die Gewinnsummen. So sind für die 2006 auszuspielende Weihnachtslotterie, Gewinne von insgesamt 2,142 Milliarden Euro vorgesehen. Auf den Hauptpreis, wird ein Geldregen von 540 Millionen fallen. Selten trifft es dabei einen Einzelnen. Denn kaum einer kauft ein ganzes Los, sondern meist nur ein Anteil (Cupón), ein Zehntellos (Décimo), für 20 €. Und weil die gleichen Losnummern oftmals in einer Filiale verkauft werden, jubeln am 22. Dezember, dem Tag der Ziehung, ganze Dörfer, Gemeinden oder Kirchenchöre.

Der 22. Dezember ist der Startschuß für die Feiertage. Die Weihnachtslotterie gehört für die Spanier zum Fest, wie für uns Deutsche der Christbaum.

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November 2006
Kandidaten gesucht
MegaWelle sucht Kinder, die im ZDF mitspielen wollen

Beim Quizklassiker „1, 2 oder 3“ in ZDF und ORF können ab sofort internationale Rateteams mitspielen. „30 Jahre – 30 Länder“ heißt das Motto zum 30-jährigen Jubiläum. Im Mittelpunkt der Sendung mit Moderator Daniel Fischer stehen drei Teams, die gegeneinander antreten: ein Team aus Deutschland, eins aus Österreich und, ganz neu, ein Team, das jede Woche aus einem anderen Land kommt – und zwar weltweit. Woche für Woche testen so drei Mannschaften mit je drei Kindern einer Schulklasse ihr Wissen zu den unterschiedlichsten Themen. Angefeuert werden sie dabei von ihren Klassenkameraden im Publikum. Damit die Spieler einen möglichst einheitlichen Kenntnisstand haben, spielen immer Schüler einer 4. Klasse gegeneinander.

Jede Sendung hat einen thematischen Schwerpunkt, auf den sich die „1, 2 oder 3“-Fragen beziehen. Zu jeder Frage gibt Moderator Daniel Fischer drei mögliche Antworten vor, die durch witzige Cartoons auf den Bildschirmen visualisiert werden. Das liefert den Kandidaten im Studio und den Zuschauern Zuhause zusätzliche Orientierung.
Die Art und Weise, wie die Kandidaten auf die Frage antworten, ist längst legendär: sie springen auf den farbig beleuchteten Spielflächen hin und her und müssen sich nach einer kurzen Bedenkzeit für ein Feld entscheiden. In dieser Zeit hat auch der Zuschauer zu Hause die Chance mitzuraten.

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November 2006
Calado und Roseta
Kunstvolle kanarische Handwerkskunst

Frauen sind heute selbstbewußt, studieren, stehen in führenden Positionen im Beruf – werden sogar Kanzlerinnen. Fast vergessen, daß sie vor reichlich 50 Jahren wieder in die Rolle des „Heimchens am Herd“ verdrängt wurden. Jahrelang hatten sie tapfer im Krieg Ihren Mann gestanden. Was auch in Jahrhunderten im Wechsel der Frauenrolle geschehen ist, eins haben sie nicht verloren - mit ihrem weiblichen Instinkt sich und ihr Heim zu schmücken. Heute ist kaum Zeit, um sich mit Handarbeiten zu beschäftigen, die trotz Technisierung nie aus der Mode gekommen sind. Aber die heimliche Liebe dazu ist nicht verloren gegangen. Jedes Land hat seine speziellen Techniken und Muster. So finden wir es auch auf den Kanaren.
Die Antike belegt das Weben, Nähen, Sticken, Knüpfen als Grundlage für alle kunstvolle Ausschmückung. In den Spinnstuben wurden die Fäden gewonnen, damit fiel auch das Garn für das Stricken, Häkeln, Klöppeln und Knüpfen ab. Auf den Hand-Webstühlen entstanden vielfältige Stoffe. Heute schauen uns aus vergoldeten Rahmen spanische Herrscher vergangener Zeiten mit ihren Spitzenkragen und kunstvoll verzierten Roben an. Länder und Städte wurden mit ihren typischen Handwerksprodukten weltbekannt. Brüsseler-, Leoner-, Venezianische-, Hardanger- und Plauener Spitzen und Handarbeiten wurden in alle Welt exportiert und waren begehrt. Erst die Industrialisierung und die Erfindung der Nähmaschine machte der bis dahin absoluten Handarbeit Konkurrenz.

Was macht eine Frau, wenn sie den ersten Erkundungsbummel in einer Stadt auf Teneriffa macht? Sie läßt auf sich wirken, was es Ungewohntes, die weibliche Psyche Ansprechendes gibt. Da fallen als erstes die vielen Geschäfte und Ständer auf den Straßen mit bisher nicht gekannter zauberhafter Handarbeitstechnik auf, Modelle für alle Gelegenheiten des häuslichen Terrains und für ganz Persönliches. Unter den unterschiedlichsten Verarbeitungen begeistert vor allem die „Calado- und Roseta-Technik“, eine uralte Tradition, die über Generationen weitergegeben wird, mit immer neuen phantasievollen Formen und Mustern. Am ersten Shoppingtag hätten Sie sich am liebsten gleich verführen lassen? Etwas unsicher in der Wahl? Viele „manteles“ (Tischdecken) sind für die großen spanischen Tische gedacht, wir nannten sie früher Tafeltuch. Bedenken wir: wenn es echte Handarbeit ist, dann sticken viele fleißige Frauenhände oft mehr als einen Monat daran. Sie möchten das einmal ganz genau beobachten, sozusagen live erleben? Dann folgen Sie mir in die zauberhafte Stadt La Orotava mit ihrem historischen Stadtkern. 1506 gegründet, hat sie nicht nur eine herrliche Lage im gepriesenen Orotavatal, sondern auch eine Architektur aus verschiedenen Jahrhunderten vom Barock bis zur Renaissance.
Die verschiedenartigsten Bräuche verschmelzen hier. Portugiesen, Franzosen, Engländer bauten Paläste und Herrschaftshäuser. Das schönste, unübertroffene Beispiel spanischen Baustils ist die „Casa de los Balcones“, 1632 gebaut. Die Hauschronik verrät, daß die Nachkommen des Eroberers von Teneriffa, Don Alonso Fernández de Lugo, über viele Generationen hier wohnten. Die letzte Bewohnerin war Eladia Machado. Sie förderte das Kunsthandwerk, Artesanía genannt und gründete die noch heute bestehende Handarbeitschule für die kanarischen Frauen. Der heutige Besitzer ist ihr Sohn, Carlos Schönfeld, der die alten Traditionen seines Hauses engagiert weiter fördert.In der Casa de los Balcones können Sie erleben, wie die Kunstwerke der Calado-Handarbeit Stich um Stich entstehen. Zunächst wird der Stoff aus Leinen oder Baumwollgeweben in entsprechend große Rahmen gespannt. Mädchen, in ihrer landesüblichen Tracht, ziehen die Fäden aus dem Gewebe. Sie schaffen damit die Grundlage für den Hohlsaum, spanisch „Calado“ genannt, der dann kunstvoll in vielen traditionellen Motiven „umgarnt“ wird (das erinnert an die Hardanger-Hohlsaum-Kunst aus Skandinavien). Dazu gehört eine Portion Erfahrung und natürlich Kunstfertigkeit. Über 250 verschiedene Muster wurden überliefert, unter denen man auswählen kann. Sie haben ihre eigenen Namen, wie „Cruz y Arañon“, „Galleta“, „Randa“ und „Cantar y Coser“ (singen und sticken), so wie man die Frauen erlebt.Verweilen wir aber zunächst in dem stimmungsvollen, romantischen Patio, ohne den ein kanarisches Patrizierhaus nicht denkbar ist. Angenehme Kühle empfängt uns, gedämpftes Licht, üppige Pflanzenpracht, Geweih- und Nestfarne in Ampeln, die sich hier besonders wohl fühlen. Aber auch Palmen, Strelitzien, Pelargonien und endemische Pflanzen. Eine lauschige Atmosphäre. Die Augen gehen spazieren zu vielen historischen Bildern an den Wänden aber auch hinauf zu den kunstvoll geschnitzten Balkons. Hier durften sich die Señoras zeigen, zur Straße hin jedoch nur hinter den filigranen Gittern der geschlossenen Balkone. Gehen wir eine Etage höher die Treppe hinauf, können wir nachempfinden, wie man in altspanischen Zeiten gelebt hat. Mit feinster Handarbeit ist das Eßzimmer ausgestattet, das Tafeltuch fasziniert und auch die Gardinen – alles aufs Feinste mit der Hand gestickt. Bibliothek, Wohnzimmer und Küche geben uns einen Einblick in den Wohnstil einer spanischen Patrizierfamilie. Kehren wir zurück in den Patio. Bezaubernder Gesang der Kanarienvögel in ihren alten Holzkäfigen an den Wänden. Die fröhlichen kanarischen Mädchen und Frauen freuen sich über unser Interesse an ihrer diffizilen Arbeit, aufgeschlossen geben sie uns Auskunft. Schauen wir ihnen über die Schulter, wie sie die ausgezogenen Fäden umsticken, mit verschiedenen Stichvarianten. Kreuzmuster entstehen und Netze, wie sie die Spinnen weben, bis eine fertige Calado-Decke oder ein Tischläufer entsteht. Das ist schon ein Erlebnis. Vor Begeisterung werden Ihnen die Augen übergehen, wenn Sie in den Verkaufsräumen die ganze Vielfalt betrachten können. Was nun hier wählen? Eine Stola mit Flachstickerei für das „Kleine Schwarze“, einen Fächer in Bändchenarbeit oder eine Tischdecke im Calado-Stil?

Sicher kommen Sie auf einer Inseltour auch in den höchstgelegenen Ort der Insel, nach Vilaflor de Chasna, fast 1500 m hoch.

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November 2006
Aus Abfall wird Dieselkraftstoff
Deutsche Erfindung kann kanarisches Müllproblem lösen

Es ist fast so, als wenn aus Wasser Wein würde: Dem Deutschen Verfahrenstechniker und Katalysator-Spezialisten Dr. Christian Koch gelang eine bahnbrechende Entwicklung auf dem Gebiet der Abfallentsorgung: Das Resultat ist eine Maschine, die man am einen Ende mit diversen Müllsorten, unter anderem Plastikabfälle, Tierkadaver und Autoreifen, „füttert“, und die am anderen Ende feinstes Dieselöl „auswirft“. Die Bundesregierung versuchte das Patent für einen siebenstelligen Betrag zu erwerben, um es in Eigenregie zum gewünschten Zeitpunkt realisieren zu können (oder auf Eis zu legen). Der streitbare Doktor wollte sich aber die Verwirklichung seines Konzeptes nicht aus den Händen nehmen lassen, lehnte ab und überließ das Geschäft ausgewählten Vertriebsleuten in verschiedenen Ländern. In Spanien besitzt der auf Teneriffa ansässige Ulrich Wilbert (UW) die Exklusivrechte. Das Jounal der MegaWelle (MW) interviewte ihn zu der einzigartigen Neuigkeit, die zudem sehr umweltfreundlich arbeitet und auch auf dem kanarischen Archipel die dringende Müllproblematik lösen könnte.

MW: Was ist das Einzigartige an der Technologie von „Alpha-Kat“?UW: Nach jahrzehntelanger, intensiver Katalysatorforschung und Reaktorentwicklung ist endlich die technische Reproduktion der Erdölbildung gelungen. Neu entwickelte Kristallkatalysatoren ermöglichen die wirtschaftliche Umwandlung von Reststoffen und nachwachsenden Rohstoffen in Erdölprodukte. Das Verfahren produziert mineralisches Dieselöl. Die Qualität des erzeugten Diesels übertrifft die EU-Norm bei fast allen Einsatzverfahren. Die Produktionskosten liegen bei einer „KDV 2000 Anlage“ bei circa 0,23 € pro Liter Diesel. Das Verfahren ist, auch im direkten Vergleich mit gängiger Raffinerietechnik, ab einer Anlagengröße von 500l/h konkurrenzfähig. Es gibt keine Umweltbelastungen mehr wegen anorganischer Bindung der Schadstoffe in Form von Salzen und Kristallen. Das Verfahren ist die Problemlösung für die Erzeuger problematischer Abfallstoffe. Dies ist der neue Weg zum Diesel im technischen und wirtschaftlichen Maßstab.

MW: Wie genau funktioniert sie?UW: Vorbild für den Prozeß ist die natürliche Erdölbildung. Durch Weiterentwicklung dieses Vorgangs unter Berücksichtigung der heutigen Probleme, ist es möglich anstelle von Erdöl hochwertigen Dieselkraftstoff zu erzeugen. Wozu die Natur aber Millionen von Jahren benötigt, kann die KDV-Anlage dies in Sekunden bewerkstelligen. Kernpunkte der KDV (Katalytische drucklose Verölung) sind: eine Temperatur von 270°C bis 350°C, Ionentauschende Katalysatoren und zu 100 Prozent durchkristallisierte y-Katalysatoren, die extrem aktiv sind.

MW: Wurde Alpha-Kat auf den Kanaren schon vorgestellt? UW: Ja, im November 2005 hat Dr. Koch auf unsere Einladung hin Teneriffa besucht. Der Anlaß war der internationale Müllentsorgungskongreß im Auditorium von Santa Cruz. Während seines Aufenthalts, aber auch davor und danach, wurde die KDV-Technik der Insel- und der Kanarenregierung, sowie der Geschäftswelt vorgestellt. Die Technik ist von den meisten Leuten sehr positiv aufgenommen worden. Denn sie hat ja den Vorteil, daß sie profitabel ist und kein Geld kostet, wie zum Beispiel Müllverbrennungsanlagen. Zudem wurde der umweltfreundliche Aspekt gesehen, es entstehen keinerlei Schadstoffe oder Gifte wie bei Müllverbrennungsanlagen.

MW: Wo sind bereits derartige Anlagen in Betrieb und mit welchem Erfolg? UW: Eine in Mexiko inzwischen im Dauerbetrieb arbeitende KDV Anlage beweist schon jetzt täglich auf eindrucksvolle Weise die Überlegenheit der innovativen und weltweit konkurrenzlosen neuen Technologie der Katalytischen Drucklosen Verölung nach Dr. Christian Koch. Weitere Anlagen folgen in Kürze, unter anderem im Osten Deutschands.

MW: Wie liegt Alpha Kat im Vergleich zur herkömmlichen Müllentsorgung?UW: Im Gegensatz zu anderen Verfahren besteht keine Gefahr der Entstehung von hochtoxischen Gasen wie Dioxin oder Furanen, da die Prozeßtemperatur, ab der diese Stoffe erst entstehen, bei dem vorliegenden Verfahren gar nicht erst erreicht werden. Müllverbrennungsanlagen arbeiten mit Temperaturen von über 1000 Grad und müssen deshalb Abgase filtern. Die Frage ist nur, wo entsorgt man die Filterrückstände?MW: Welche Müllsorten kann man damit entsorgen?UW: Jede Art von Abfall, außer Metalle und Gestein. Wie: Kunststoffe aller Art, einschließlich des PVC-Anteils, Gummi und Autoreifen, Altöle, Wachse und Fette aller Art, Hydrauliköle, landwirtschaftliche Abfälle, Tierabfallprodukte und verdorbene Lebensmittel, Krankenhausabfälle, alle Raffinerierückstände, Bitumen, Teere etc.Neben den Wertstoffen der Abfallwirtschaft können in gleicher Weise biologisch nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. Holz, Raps und sonstige pflanzliche Produkte, verarbeitet .

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Oktober 2006
Besuchen Sie Picassos Geburtsstadt!
Ein Wochenende in Málaga

Wenn Ihnen die Insel einmal zu eng wird, und Sie Lust auf etwas Abwechslung verspüren, dann lohnt sich ein Abstecher in die Hauptstadt Andalusiens. Nur zwei Flugstunden von Teneriffa entfernt, wartet eine Stadt auf Sie, die weitaus mehr zu bieten hat als Strand, Sonne und blauen Himmel.

Málaga ist eine kosmopolitische Metropole, hat sich aber zugleich eine ruhige, gemütliche und einnehmende Atmosphäre bewahren können. Das kommt vor allem daher, daß es die Hauptstadt Andalusiens zu jeder Zeit verstanden hat, der Touristen-Lawine zu widerstehen, die sich eher auf die Badeorte entlang der Küste verteilt. Und so kann sich Málaga als Stadt präsentieren, die noch das typische, ursprüngliche, spanische Leben beherbergt.

Einen großen Beitrag zu Málagas unwiderstehlichem Charme leistet die Kultur dieser Stadt. So haben verschiedenste Zivilisationen hier ihre Spuren hinterlassen. Málagas Gründung geht auf die seefahrenden Phönizier zurück, die die Stadt damals Malaca nannten, eine Bezeichnung für gesalzenen Fisch. Doch letztendlich waren es die Römer, die aus Málaga eine richtige Stadt machten. Dann, im Jahr 711, eroberten die Mauren das Land und erst gute 700 Jahre später reformierten die katholischen Könige die Stadt in eine neue, christliche Ansiedlung. Heute ist Málaga mit einer halben Million Einwohnern eine moderne Großstadt, die viel zu bieten hat und sich auf kulturellem Gebiet hohe Ziele setzt. So hofft die Metropole im Jahr 2016 Europäische Kulturhauptstadt zu werden. Bis dahin gibt es noch alle Hände voll zu tun. Doch zurück in die Gegenwart.

Wohin?
Trotz der vielen Museen liegt der Reiz Málagas eher in der südländischen Vitalität der Stadt und weniger in besonderen Sehenswürdigkeiten. Glanzlichter und Pflichtbesuche sind aber auf jeden Fall das Picasso-Museum, die maurische Palastburg Alcazaba und die Kathedrale.

Museo Picasso
Es war ein großer Tag für Málaga, als vor genau 3 Jahren das Museum endlich eröffnet wurde. Nach rund einem halben Jahrhundert wurde Picassos Wunsch nach einem eigenen Museum in seiner Geburtsstadt doch noch Wirklichkeit. Das Archiv der Dauerausstellung umfasst insgesamt 204 Werke, die jedoch aufgrund des Umfangs nicht alle zeitgleich gezeigt werden können. Zusätzlich zeigen wechselnde Ausstellungen Leihgaben aus Picassos Familienbesitz.
Nicht weit vom Museum entfernt, steht das Haus, indem Picasso am 25. Oktober 1881 geboren wurde. Für nur einen Euro können Sie die privaten Räumlichkeiten des Künstlers erkunden.

Alcazaba
Die Alcazaba ist ein Muss für alle Touristen in Málaga. Diese eindrucksvolle Festung, die von den Mauren im 11. Jahrhundert errichtet wurde, ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Málagas und heute aus dem Landschaftsbild kaum noch wegzudenken.
Im Jahr 1931 wurde der Königspalast Alcazaba von der UNESCO zum nationalen Kulturerbe ernannt. Im gleichen Jahr begannen auch die aufwendigen Restaurationsarbeiten des Gemäuers um dieses Stück spanische Geschichte für die Nachwelt zu erhalten.

La Catedral
Diese Kirche protzt vor allem durch ihre Größe. Stolze 117 Meter Länge, 72 Meter Breite und sagenhafte 48 Meter Höhe mißt die mächtige Kathedrale. Fertiggestellt ist die Renaissancekirche mit gotischen und barocken Einschlägen bis heute nicht (ein Turm blieb unvollendet) Der Volksmund nennt sie deshalb auch La Manquita, „Die, der etwas fehlt.“ Sehenswert sind besonders die Kapellen, Capilla Mayor und Capilla del Sagrado Corazón und das hervorragend gearbeitete Chorgestühl.

Typisch Málaga
Die Einheimischen, die malagueños, strahlen eine ungewohnte große Lebensfreude aus, selbst für jeden Besucher haben sie ein offenes Lächeln übrig. Das ist wohl einer der großen Vorteile, wenn man vom Massentourismus verschont bleibt. Auch die Bars und Restaurants spiegeln die lebendige Lust am Leben wider. Besonders schön sitzt man in den Lokalen an der Strandpromenade. Málagas Spezialität ist einfach, aber köstlich: gegrillter Fisch und frittierte Meeresfrüchte.

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Oktober 2006
Das Haus von Carta im Valle de Guerra
Historie – Tradition – Neuzeit

Bei der Erkundung der Insellandschaft nördlich von La Laguna sollte man schon einmal von der TF 5, also der Autopista, ausscheren, etwa in Höhe von Tacoronte. Im Ortszentrum teilt sich die Straße, wir biegen links ab, in Richtung Valle de Guerra. Ein Tal öffnet sich uns. Am Nordosthorizont sehen wir es von den Spitzen und Zacken des Anaga-Gebirges flankiert. Ein liebliches Terrain, das sich zum Ozean hin öffnet. Sanft hügelig, in welliger Abwechselung. Die Strecke führt vorbei an typisch spanisch-kanarischer Dorfstraßenurbanisation. Altes steht neben Neuem. Der Name der Ortschaft und des Tales: Valle de Guerra (Tal des Krieges). Eigentlich etwas makaber für diese schöne Gegend.

Ein so kriegerischer Ortsname schafft Assoziationen an unsere Jugendliteratur und erinnert an den Karl-May-Roman „Im Tal des Todes“. Doch der Name ist ein Geschichtsdokument und gehört in die Zeit der Inselbesiedelung durch die Conquistadores. Hier lieferten sich Spanier und Guanchen manches Scharmützel und große Kämpfe. Alles Historie, die Tinerfeños haben noch eine Version parat: denn das weite Land gehörte nach der Conquista der Familie „De la Guerra“.

Was wollen wir in diesem so geschichtsträchtigen Ort? Unser Ziel ist ein Besuch im MUSEO DE ANTROPOLOGÍA DE TENERIFE. Man muß etwas aufpassen, wenn man von der Carretera Tacoronte aus am Taleingang das Museum finden will. Ein verstecktes Hinweisschild führt uns letztendlich in die Calle El Viso 44. Das enge Portal präsentiert sich im Mudéjar-Stil mit christlichem Kreuz. Neben dem Eingang steht eine alte, endemische kanarische Dattelpalme, also die beste Orientierung.

Entreé in das Museum, das alte Haus von Carta

Warum so ein wichtiges Museum derart versteckt und abseits eingerichtet ist? Der Standort hier im Valle ist keineswegs unüberlegt. Vor Ort will man das zeigen, was spezifisch und landestypisch in diese Umwelt und Entwicklungsgeschichte gehört. Hier wird in guten Expositionen die Lebenswelt der Inselbewohner von damals dem Besucher von heute übermittelt. Das war das Konzept, das Haus von Carta als Museum auszugestalten. Denn Vergangenheit und Geschichte muß für die Nachwelt sichtbar und nachvollziehbar sein. Hinter dem Portal gelangt man an den Rand eines Patios, denn wir haben es hier mit einem Herrenstammsitz aus dem 18.Jh. zu tun. Er ist zwar an die ländliche Umgebung angepaßt, hat jedoch in seinen Ausmaßen absolut adeligen Charakter. Ursprünglich gehörte das Anwesen der Familie De la Guerra, doch 1726 erwarb es Hauptmann Matias Rodriguez Carta. Seit 1967 gehört das Objekt jedoch der Inselregierung, und nach sehr aufwendiger Restaurierung wurde es dann 1987 als Museum eröffnet.

Mittlerweile sind wir vor dem ersten Museumsraum angelangt, wagen schon einen ersten Blick, und sind sofort von der echten, altspanischen Holzdeckengestaltung begeistert, die uns durch alle Räume begleiten wird. Nun gibt es ja immer mehrere Möglichkeiten, eine Ausstellung oder ein Museum zu inspizieren, zu erkunden. Entweder man folgt einem Rundgangsplan, kann aber auch einen Führer chartern, oder man geht sporadisch zu den Zentren seiner Interessen. Für diesen Bericht entscheiden wir uns für die sporadische Art. Die aktuelle Vernissage des Museums titelt: „Das Haus von Carta und seine Traditionen“. Eine derart vielschichtige Exposition erfordert schon schnelles Umschalten von einem Themenkomplex zum nächsten. Neben rein anthropologischen Informationen und Originalexponaten wurde das Museum aber auch speziell auf Folklore, Gewohnheiten der Inselbewohner bis hin zu botanischen Aspekten ausgeweitet.

Handwerkskunst
Sehr anschaulich wird den frühen Manufakturen der Inseln Raum gegeben. In der Abteilung Töpferei staunen wir über gute alte Fundstücke wie Schalen, Gefäße, Teller und sogar einen transportablen Kochherd, dazu noch ein tönerner Bienenstock. Aufschlußreich ist die Information, daß die Guanchen keine Töpferscheibe kannten. Alle Formgestaltung erfolgte bis zur Ankunft der Spanier per Hand. Tischlerkunst begeistert uns am Beispiel von herrlichen antiken Truhen und Kästen. Wir verweilen vor einer im Fenster eingebauten steinernen Filteranlage zur Trinkwassergewinnung, wie sie noch heute in manchem Patio zu finden ist.
Auch eine andere hochinteressante Tradition gibt es heute noch: Wußten Sie eigentlich, daß auf der Insel Tabak angebaut wurde und das kleinflächig heute noch? Daraus resultierte eine Zigaretten- und vornehmlich die Zigarren-Herstellung. Begründer waren zurückgekehrte Auswanderer, die kubanische Erfahrungen mitbrachten. Heute wird in Familienbetrieben importierter, fertig fermentierter Tabak verarbeitet, wobei das größere Arbeitsfeld auf La Palma zu Hause ist. Doch Kenner sagen: Super, die Zigarren von den Kanaren!

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Oktober 2006
Mit der Megawelle zur Weinlese
Erlebnisberichte zweier Mitarbeiter von Radio Megawelle von typisch kanarischen „Vendimias“

Als meine kanarischen Freunde mich an einem Septemberwochenende zu einer „Vendimia„ einluden, da ich „ja immer so interessiert sei, die kanarische Kultur kennenzulernen„, habe ich mich sehr darüber gefreut. Man versprach mir ländliches Ambiente auf einer typischen Finca, Hausmannskost, Wein und nettes Beisammensein. Prima – Kultur genau nach meinem Geschmack! Daß es aber schon morgens um 7 Uhr losgehen sollte, hat mich dann doch ein wenig gewundert. Aber gut, die Canarios feiern nun einmal gerne lange und ausgiebig, und die „vendimia„, sagte man mir, sei eines der wichtigsten Ereignisse auf den Kanaren. Mißtrauisch hätte ich spätestens dann werden sollen, als man mich anwies, eine Kopfbedeckung mitzunehmen und alte, luftige Kleidung sowie bequeme Schuhe anzuziehen.Auf der Hinfahrt freute ich mich schon auf ein herzhaftes „Landfrühstück„. Bei Ankunft gab es dann auch erst einmal einen Kaffee und dann, ja dann begann die „vendimia„, die, wie ich jetzt weiß, nichts anderes ist, als eine Weinlese….. Mit Eimern und Scheren ausgerüstet ging es in den Weinberg. Wein schneiden, das war mir neu, kann wirklich jeder. Und es waren auch alle da. Nachbarn, Familie, Freunde. Vom Polizeibeamten über die Schneiderin bis zum Maurer. Jeder ging mit viel Enthusiasmus und Freude an die Arbeit, und sechs heiße, anstrengende Stunden und 4 Tonnen Weintrauben später war es dann geschafft. Mir soll noch jemand sagen, die Canarios seien nicht fleißig. Von wegen! Bei Ihrem Wein legen sie richtig los, und alles ist perfekt durchorganisiert.
Eine traditionelle Weinlese ist schöner, lustigster und geselliger als Wein mit moderner Technik herzustellen.

Die Kisten mit den Trauben wurden mit dem Auto abgeholt, gezählt und zur Kelterei gebracht. In der Bodega wurden die Trauben in die sogenannte „espalilladora„ geschüttet, eine Maschine zum Entstielen der Trauben. Sie wirft die Abfälle auf der einen Seite hinaus, den sogenannten „bagaso“, und die Beeren zur anderen. Dort kommen sie in die elektrische Traubenmühle. Diese Maschine schafft 20 Kilogramm Beeren in kaum einer Minute, was die Arbeit im Gegensatz zu früher natürlich erheblich erleichtert. Trotzdem waren sich alle Helfer einig: Eine traditionelle Weinlese, die ist schöner, denn der lustigste und geselligste Teil der Arbeit war das Treten der Trauben, das durch diese Technik völlig entfällt. Nur noch eine Person muß in den Most steigen, um die Traubenschalen gleich bei der Maschine gleichmäßig im Gärbecken zu verteilen. Der Most gärt dann etwa 2-3 Tage im oberen Becken. Dies ist notwendig, damit der Rotwein seine Farbe bekommt, die bekanntlich in der Schale sitzt, und sich sein geschmacklicher Charakter entwickeln kann. Der Zuckergehalt des Mostes wird bereits hier gemessen. In diesem Jahr hat der langanhaltende Kalima vor der Weinlese dazu beigetragen, daß die Trauben eine extreme Süße entwickelt haben, der Most hatte bereits 15 Grad Zucker, so daß ihn der Winzer einfach mit Wasser auf 13,5 Grad verdünnte. Auch mit den Traubensorten nimmt man es nicht so genau. Reste weißer Moscatel-Trauben und der rote Listán wurden einfach vermischt, aber was soll‘s, wenn das Ergebnis das gleiche sein wird wie im Vorjahr, kann ich Ihnen versichern, daß ein fruchtiger, spritziger und leichter Rotwein dabei herauskommt.

Nach etwa drei Tagen wird der angegärte Wein durch einen Filter in das nächste Becken geleitet und die Reste von Fruchtfleisch noch einmal ausgepreßt, um wirklich den letzten Tropfen Rebensaft zu gewinnen, und dann in Fässer abgefüllt. Nach der Arbeit ging es dann in den Patio der Finca. Dort duftete es bereits nach köstlicher und deftiger Hausmannskost. Na endlich! Die Alten, die nicht mehr bei der Lese helfen konnten, hatten bereits Unmengen an Essen vorbereitet, Wein kaltgestellt und die Tische hergerichtet. Da war es ja, mein „ländliches Ambiente„. Erschöpft, aber glücklich und stolz auf meine Leistung, saß ich zwischen all den Freunden und Nachbarn, die sich ganz selbstverständlich gegenseitig helfen. Man lacht über alte Geschichten, lobt das köstliche Essen und schafft viel Platz! Wofür? Na für den neuen Wein natürlich, und das geht nur, wenn man so viel wie möglich von dem Vorjahreswein aus dem Keller leer trinkt. SALUD! Anke Kray

... und zwei Wochen später: „Hallo Ulf, hast Du nächsten Samstag schon etwas vor?„ fragte mich meine Kollegin. Da muß man natürlich aufpassen, denn hinter solchen Fragen verbergen sich meist Umzüge oder andere Dienstleistungen, die man nur in der Freizeit erledigen kann.

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September 2006
Große Bühne für das Musiktheater
Das 36. Opernfestival auf Teneriffa

Nicht so auf Teneriffa: Opernfans fiebern schon jetzt danach zu erfahren, welche Werke im Herbstfestival live zu erleben sein werden. Wir wissen es bereits: Vier Opern, weltbekannt, aber auch Seltenheiten, Unbekanntes und kaum Aufgeführtes von Komponisten mit großem Namen wie Verdi, Puccini, Rossini und Rachmaninow kommen auf die Auditoriumsbühne.

Die Oper hat bis heute nichts an Anziehungskraft und Faszination für das Inselpublikum verloren, noch dazu da das Cabildo von Teneriffa, die „Asociación Tinerfeña de Amigos de la Ópera“ (ATAO) und viele Sponsoren mit neuen Ideen und Kreationen sowie mit erheblichen Mitteln die Operntradition fördern. Und das wichtigste: sie wählen Werke aus, die neugierig machen und engagieren dazu eine exzellente Künstlerschar. Die Begeisterung des hiesigen Publikums wünschte sich so manches traditionelle Opernhaus in Europa.

Was ist das Geheimnis der Begeisterung?
Opern werden hier nicht verfremdet, krampfhaft und entstellend „in die Gegenwart transponiert“, sondern man bemüht sich, den Geist der Schöpfer von Wort und Ton zu erhalten, werkgetreu zu bleiben, so daß sich das Publikum nach Öffnen des Vorhanges mit dem Geschehen auf der Bühne identifizieren kann. Der ganzen menschlichen Gefühlsskala von Liebe, Tragik, Mystik, Freude, Komik wird gebührend Raum gegeben.

In diesem Festival haben sich die Veranstalter fast Vergessenem und Verschollenem besonders gewidmet. „Am Anfang war das Wort“: So beginnt auch die Entstehung einer Oper. Ein packender Text, ein kundiger, geschickter Librettist, und ein der Oper verfallener Komponist wird inspiriert. Seine Musik formt sich zur Ouvertüre, zum Text der Arien, den Chören und Gesangsensembles, wird mit orchestraler Untermalung zum künstlerischen Gesamtergebnis. Der heutige Opernbesucher wünscht sich eine lebensnahe Handlung, dargestellt mit harmonischen Klängen und einprägsamen Melodien. Und er möchte auch Spaß haben, lachen können über komische Situationen und Verwicklungen und sich dabei entspannen.

Am 26., 28. und 30. September, 20:30 Uhr beginnt im Symphoniesaal des Auditoriums das Festival mit dem Operndrama „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Textgrundlage ist der Sittenroman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas. „La Traviata“, bedeutet eigentlich die Verirrte, in ihrem Lebensstil Anrüchige. Sie ist eine Konkubine. Dumas war selbst einer Lebedame verfallen, daher ist sein Stoff so überzeugend.

Giuseppe Verdi, 1813 geboren (im gleichen Jahr wie Richard Wagner), bevorzugte eigentlich mehr freiheitsbezogene, patriotische Themen. Am politischen Leben Italiens (Risorgimento) nahm er lebhaft Anteil. Doch für „La Traviata“ brach er völlig mit den Traditionen der italienischen „Opera seria“. Sein Stil wandte sich dem „Verismo“ zu. Der alte pompöse Opernstil war passé, kühn ging er in seinem über 80 jährigen Leben stilistisch darüber hinaus und wurde so zum Vertreter der italienischen Romantik. Er entschlackte die Oper, die Personen wurden lebensnaher, spielten im „modernen Gesellschaftskleid“. Damals bedeutete es das Äußerste an realistischer Interpretation. Das führte zum Durchfallen der Uraufführung in Venedig im Jahre 1853. Auf Druck der Sänger wurde die Handlung auf das Jahr 1700 vorverlegt, die Akteure wollten keine Personen der Gegenwart darstellen. 1854 überarbeitet, wurde die Oper dann doch zum Riesenerfolg, weltweit bis heute.

Die Hauptfiguren: Violetta, dem Sinnengenuß ergeben, aber schon von schwerer Krankheit gezeichnet, gibt sich voll dem rauschenden Leben und Alfred hin, der sie liebt. Sie schenkt ihm eine Kamelienblüte und versichert damit, daß auch sie ihm in Liebe verfallen ist. Sie ahnt ihren Tod und verschwendet alles Geld für glückliche Tage mit Alfred. Doch der Vater Alfreds, Gernot, fordert Verzicht auf die Verbindung. Das steht moralisch der Hochzeit seiner Tochter im Wege. Opfer, Trennung, Sehnsucht, Verzeihen, Abschied. Ein kurzes Aufflammen der Leidenschaft zwischen Violetta und Alfred – dann Tod in seinen Armen. Die Charaktere sind zart gezeichnet, Chor und Orchester mit sparsamen, zurückhaltenden Mitteln eingesetzt, entsprechend der tragisch resignierenden Leidenschaft.
Dirigent im Auditorium wird Maurizio Barbini sein. Die Regie liegt in den Händen von Christina Comencini. Premiere hat auch der neu gegründete Opernchor unter Leitung von Carmen Cruz Simó, der zum festen Bestandteil des Symphonieorchester Teneriffa werden soll. Dazu namhafte Sänger der Opernszene.

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September 2006
Tauchen auf Teneriffa
Kanarische Unterwasserwelt

Die Kanarischen Inseln gehören zwar nicht zu den „Top Ten“ der weltweiten Tauchgebiete, dennoch ist Teneriffa neben El Hierro unter Tauchern als Reiseziel sehr beliebt. Wenn Sie in die kanarische Unterwasserwelt eintauchen, werden Sie sich wundern, welche Schönheiten der Atlantik verbirgt. Oder lassen Sie es mich in den Worten von Andy McLeod, Tauchlehrer auf Teneriffa sagen: „Es ist als ob man in einem Champagnerglas schwimmt, nur noch viel prickelnder.“

Teneriffa lädt bei einer Wassertemperatur von 17°C bis 24°C das ganze Jahr über zu Tauchgängen ein. Allerdings geht in den Wintermonaten ohne Neoprenanzug nichts. Zwei gute Tauchgebiete mit besonders klarem Wasser liegen vor Teneriffas Westküste (Playa Paraiso, Los Gigantes, Playa San Juan) und vor der Costa del Silencio (Tenbel). Nur bei starken Winden aus Süd, Südwest oder Südost ist die Nordküste die bessere Tauchregion.

Wenn der Atlantik sein ruhiges Gesicht zeigt, sollte man sich unbedingt viel Zeit nehmen, die kanarische Unterwasserwelt zu erkunden, denn in diesen Tagen sind Sichtweiten bis zu 30 Metern möglich. Doch die „Isla amable“ kann Tauchfreunden noch einiges mehr bieten. Da sind zum einen spektakuläre Steilwände (Teneriffa erhebt sich aus einer Tiefe von 3.000 Metern empor), zum andern eine intakte Unterwasserwelt mit unvorstellbarem Fischreichtum.
Das Jacket festgezurrt, die richtige Bleimenge um die Nieren, das Mundstück zwischen den Zähnen, ein abschließender Gerätecheck, und die Reise in die Tiefen des Meeres beginnt. Wie bei einer Zeitreise, landet man in einer fremden Welt. Die Unterwasserwelt vor den Küsten Teneriffas läßt keinen Zweifel aufkommen, daß der Teide, ein Vulkan ist. Die Lavamassen, die einst der höchste Berg Spaniens ausspuckte, ließ der Ozean zu bizarren Felsformationen erstarren. Diese vulkanisch geprägte Landschaft mit Riffen, Felsspalten, Höhlen und Grotten, die ganze Labyrinthsysteme beherbergen, können in geführten Gruppen sicher betaucht werden.

Inmitten der vom Meer umspielten spektakulären Architektur leben Zackenbarsche, Barrakudas und Thunfische, aber auch Engelhaie, Trompeten- und Papagaienfische sowie Oktopusse und Muränen bewohnen die Unterwasserwelt der Kanaren. Mit etwas Glück können Sie auch bis zu 1,20m-große, zutrauliche Rochenarten (Mantas, Chuchus, Rayas), große Barsche, Delphine und Meeresschildkröten sehen. Doch auf der Bühne des Atlantiks lassen sich nicht nur zahlreiche Meeresbewohner beobachten, hier entdeckt man auch Schiffswracks und versenkte U-Boote.

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August 2006
Die Cestos y Bollos der heiligen Barbara
Ein ganz spezielles Volksfest

Bei den „Cestos y bollos„ finden mehrere Bräuche zusammen, die vorher getrennt gefeiert wurden: Die „Cestos„, das sind Körbe, werden wie zum Erntedank mit Früchten derart geschmückt, daß man die Körbe nicht mehr sieht. In einem Umzug mit Trachten und Musik werden sie von den Männern des Dorfes zur Kirche der heiligen Barbara getragen und dort an einem eigens jedes Jahr gefertigten Vordach vor dem Portal aufgehängt. Das ganze Dorf beteiligt sich mit viel Freude an den Vorbereitungen, und wie es scheint, fallen die Körbe, die Don Antonio Díaz vor etwa hundert Jahren erfand, jedes Jahr prächtiger aus. Die Körbe wiegen um die 40 kg, manche erreichen auch 80 kg. Vor 40 Jahren kamen dann mit Obst oder Körnern geschmückte Figuren dazu, wie Schiffe oder Herzen.

Die „Bollos„ hingegen sind ganz Frauensache: Ein Brotteig wird in verschiedenen Formen gebacken und später mit bunten Bändern, Papierblumen und kleinen Figuren, die auf Strohhalme gesteckt wurden, verziert. Diese Figuren haben ihren Ursprung bei den Nonnen der Klöster in Garachico, die sie liebevoll aus „alfeñique„, einer Zuckermasse formten. Später übernahmen die Nonnen in La Laguna diese Aufgabe und formten vor allem Tierfiguren, Katzen, Vögel, Schmetterlinge, sowie Blumen. Oft verlief der Zucker in der Hitze, doch heute hat man eine haltbarere Mischung gefunden. 70 - 100 Figuren zieren den „Bollo„, den die unverheirateten jungen Frauen auf dem Kopf bis zur Kirche tragen. Heute sind es 12 Bollos, jeder ein Buchstabe für „Santa Barbara„, und folglich auch „12 señoritas„. Jeder Bollo ist mit mindestens 100 bunten Bändern geschmückt, aber auch bis zu 190 wurden schon gezählt.

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August 2006
Flamenco
Schmerz und Leidenschaft

Flamenco ist eine Besonderheit Andalusiens und zu einem der spanischen Klischees schlechthin geworden. Doch dabei ist längst nicht alles Flamenco, was sich ein Ausländer unter diesem Namen vorstellen mag. So gibt es eine Reihe andalusischer Volkstänze die häufig mit dem eigentlichen Flamenco verwechselt werden. Doch Flamenco ist nicht nur ein simpler Tanz, sondern eine Lebenseinstellung.

Der Tanz
Woher diese Interpretation des Wortes „Flamenco“ stammt, das ja eigentlich „flämisch, aus Flandern“ bedeutet, weiß man bis heute nicht so genau, doch als gesichert gilt, daß Flamenco eine bestimmte Verhaltensweise ausdrückt, noch bevor damit eine besondere Verbindung von Tanz und Musik benannt wurde. So wird in Spanien ein gewisser Menschentyp als „Flamenco“ bezeichnet. Diese Personen müssen nicht einmal Tänzer, Sänger oder Musiker sein. Nein, es sind Menschen, die ihre Gefühle offen zeigen, denen Bewegungsfreiheit mehr bedeutet als der Erwerb von Eigentum und für die Spontaneität wichtiger ist als Konventionen.

Musikalische Wurzeln
Seine Ursprünge hat der Flamenco in der von der spanischen Bevölkerung völlig abgeschottet lebenden Volksgruppe der Gitanos (Zigeuner). Nachgewiesen sind aber auch Einflüsse aus Nordafrika, Pakistan und Indien. Die Anklänge ans arabisch-maurische sind besonders im Gesang unüberhörbar. Die regionalen Anfänge liegen im so genannten „Flamenco-Dreieck“ zwischen Ronda, Cadiz und Sevilla. Dabei wurden in Spanien, die leidenschaftlichen und schmerzvollen Klänge lange Zeit ebenso abgelehnt wie ihre Urheber, die „Gitanos" genannten andalusischen Zigeuner.

Tieffühlender Gesang
Lange Zeit galt Flamenco als reine Gesangskunst, dessen Texte sich um Trauer, Einsamkeit und Leidenschaft drehen. Heute besitzt der Flamenco drei Hauptelemente, den Gesang (el cante), den Tanz (baile) und das Gitarrenspiel (toque). Wer den Flamenco singt, muß nicht „schön“, aber ausdrucksstark singen können. Von allen Gesängen gilt wohl der so genannte „siguiriya“ als die entscheidende Kunstprobe der Sänger. Die Texte der siguiriya sind ein einziger leidenschaftlicher Aufschrei der Seele, die sich gegen Unterdrückung, die Vergänglichkeit der Liebe und gegen den Tod als ständiger Begleiter des Menschen aufbäumt.

Der Flamenco als Tanz, fälschlicherweise von vielen für den Kern des Flamencos gehalten, versucht durch Körperbewegung, wie eine Art Gebärdensprache, die in den Gesängen angesiedelten Gefühle freizulegen. Der „baile flamenco“ wirkt im Gegensatz zu allen übrigen europäischen Tänzen nicht schwerelos, sondern er versucht mit einer geradezu majestätischen Anordnung der Füße die Erdverbundenheit jederzeit zu sichern. Bei manchen Aufführungen sieht man auch Kastagnetten, nicht jedoch beim klassischen Tanz, da sie das Gebärdenspiel der Hände zu sehr einschränken. Eine feste Schrittfolge existiert nicht, wie der Tänzer seine Gefühle ausdrückt, bleibt ihm selbst überlassen.

Die Flamenco-Gitarre
Als beliebtes Begleitinstrument setzte sich im 18.Jahrhundert die Gitarre durch. Davor wurde der Rhythmus durch Händeklatschen und Fingerschnalzen unterstützt oder man klopfte ganz einfach den Rhythmus mit den Knöcheln auf den Tisch.
Der Begriff „El toque“ wird auf alles angewendet, was mit der Kunst, die Flamencogitarre zu spielen, zusammenhängt. Grundlegend für die Technik und den Klang der Gitarre ist jedoch ein großes Repertoire an Fingerbewegungen der rechten Hand.
Die Saiten sind bei diesem Instrument dicht am Gitarrenhals befestigt, so daß sie nachhallende, fast kreischende Töne von sich gibt, die mit der ausdrucksstarken Gesangsstimme harmonisieren. Darüber hinaus muß der Gitarrist das komplizierte Spiel der Füße (zapateado) auf sein Instrument übertragen.

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August 2006
Offen zum Meer
Die Neugestaltunge der Plaza de España

Jede Provinz hat ihre Hauptstadt, ihr Zentrum, und jede spanische Stadt hat ihre Plaza, den Hauptplatz. Das Zentrum Teneriffas ist demnach die Plaza de España, die jedoch momentan nicht zugänglich ist. Bauzäune umgeben den Platz, und auf ihnen illustrieren 55 Plakate, wie er einmal aussehen soll. Ein gewaltiges Projekt ist da im Gange, 36.160 qm sollen gestaltet werden, und 16.600.000 € soll das Projekt kosten – vorläufig. Nach dem Auditorium entsteht hier ein weiteres Prestigeobjekt der Präsentation von Santa Cruz. Verantwortlich für die Planung zeichnen die renommierten Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron aus Basel, die sich u.a mit der Londoner Tate-Gallery und der Münchener Allianz-Arena einen internationalen Namen gemacht haben.

„Zum Meer hin öffnen“ soll sich die Stadt wieder.

Santa Cruz war immer eine Hafenstadt, doch der kilometerlange Hafen, nach Las Palmas der zweitgrößte Spaniens, hat den Ort vom Meer getrennt durch die vielen Molen und Aufschüttungen. Das läßt sich nicht rückgängig machen, doch zumindest der Blick auf den Atlantik soll den Bewohnern und Besuchern zurückgegeben werden. Das erreicht man durch eine Nivellierung des Bodens: der zur Avenida Anaga hin abfallende Platz wird horizontal aufgeschüttet bis aufs Niveau der Verbindung zur Plaza de la Candelaria, das heißt maximal 3 Meter an der Avenida Anaga. In einer späteren Bauphase soll diese dann unterirdisch verlaufen, ergänzt durch zusätzliche, ebenfalls unterirdische Parkplätze.

Nicht nur höher wird der neue Platz also liegen, er wird auch ein grünes Dach bekommen. Zu den bereits vorhandenen ca. 70 Bäumen, von denen nur einige wenige versetzt werden müssen, sollen 200 Bäume neu gepflanzt werden, darunter Flamboyant, Gummibäume (Ficus), indischer Lorbeer, blau blühende Jacaranda, Pfeffer- und Tulpenbäume sowie verschiedene Arten von Palmen. Man darf sich also auf ein buntes Blütenmeer freuen.

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Juli 2006
Finale Grande
Venedig sehen, bevor es zu spät ist

Keine andere Stadt besitzt solch eine touristische Anziehungskraft wie Venedig. 12-15 Millionen Menschen besuchen jährlich die Lagunenstadt, die selbst nur 70.000 Einwohner zählt. Die wunderbare Inselstadt, wie Goethe sie nannte, liegt knapp vier Kilometer vom Festland entfernt, und dehnt sich auf einer Fläche von ca. sieben Quadratkilometern aus. Die kleine Stadt ließe sich in ungefähr drei Stunden umrunden, wenn man nicht in jeder Gasse halt machen müßte, um diese einzigartige Architektur zu bewundern. Jeder, der Venedig kennt, wird bestätigen, daß dieser amphibischen Lagunenstadt etwas Erhabenes und Betörendes anhaftet. Die Stadt, die im 9. Jahrhundert errichtet wurde, und sich in den letzten zweihundert Jahren kaum verändert hat, läßt einfach jeden ins Schwärmen geraten.

Egal ob Sie nur ein Wochenende oder eine ganze Woche in Venedig bleiben, der Ausgangspunkt Ihrer Erkundungen sollte der berühmte Piazza de San Marco (Markusplatz) im historischen Zentrum sein. Hier befinden sich die beiden prunkvollsten Bauten Venedigs: Die Basilika de San Marco und der Palazzo Ducale (Dogenpalast). Der Markusplatz war übrigens schon vor 200 Jahren für Napoleon „der schönste Salon Europas„. Den besten Überblick über die Stadt verschafft man sich vom Campanile, dem fast 100 Meter hohen Glockenturm. Oder erkunden Sie die Lagunenstadt lieber gleich auf dem Seeweg – mit einer Vaporetto-Fahrt (Wasserbus) auf dem Wasserboulevard, dem berühmten Canale Grande, dem Hauptverkehrsweg, der zu beiden Seiten von den ältesten und herrschaftlichsten Palästen der Stadt gesäumt wird. 177 Kanäle, 355 öffentliche Brücken, 127 wunderschöne Plätze und ca. 3.000 Fußwege erschließen das gesamte Stadtgebiet.

Auf einem gemütlichen Spaziergang können Sie Tag für Tag die sechs Stadtviertel Venedigs erkunden. Wenn die Zeit drängt, sollten sie sich die berühmtesten Sehenswürdigkeiten heraussuchen: etwa die „Galleria dell´Accademia„, eine großartige Gemäldegalerie, oder das Guggenheim-Museum, das eine erlesene Kunstsammlung der klassischen Moderne zeigt. Ein absolutes Muß ist natürlich das bunte Markttreiben an Venedigs ältester Brücke „Ponte di Rialto„, und das jüdische Ghetto im Stadtteil Cannaregio. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden dort auf Beschluß des Senats alle jüdischen Einwohner in ein abgeriegeltes Wohngebiet, das „Ghetto Nuovo„, umgesiedelt. Im Norden des ruhigen Stadtgebietes hat sich übrigens die berühmte Krimiautorin Donna Leon niedergelassen, deren Werke in Italien noch immer verboten sind, weil sie kein gutes Bild über Italiens Verwaltungszustände zeichnen.

Was wäre eine Reise nach Venedig ohne eine Gondelfahrt? Von den einst 10.000 Gondeln, die Venedig einmal stolz vorzeigen konnte, sind nur noch 400 übrig geblieben. Die über zehn Meter langen Boote haben allesamt einen schwarzen Anstrich, eine Verordnung aus dem Jahr 1562, die den Neid unter den einzelnen Gondolieri unterdrücken soll. Das führte jedoch dazu, daß die Innenausstattung der einzelnen Gondeln umso luxuriöser ausfiel. Maximal sechs Personen können sich in einer Gondel durch die Kanäle schippern lassen – eine Besetzung, die garantiert jeden Gondoliere mißmutig stimmt. Eine 50minütige Fahrt durch Venedigs Wassergassen kostet tagsüber zwischen 80 und 100 €. Bei Mondschein ist eine Gondelfahrt ein wenig teurer aber wesentlich romantischer. Das Ständchen mit Musikbegleitung kostet selbstverständlich extra.

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Juli 2006
Die Fiesta del Carmen
Die Fischer feiern im Juli ihre Schutzpatronin

Fiestas gibt es in Spanien jede Menge, feiert doch schon jedes Dorf einmal jährlich seinen Schutzpatron – und je nach Region und Anlaß zeigen sie sich völlig unterschiedlich. Eine der größten Feiern ist die „Fiesta de la Virgen del Carmen„. Zu Ehren der Schutzpatronin der spanischen Seeleute werden jedes Jahr in den Häfen der gesamten spanischen Welt die alten Traditionen gewahrt. Mit bunt geschmückten Booten gibt es eine große Prozession auf dem Meer, an der jeder teilnehmen kann. Es folgt ein spektakuläres Feuerwerk und drei Tage Fiesta mit Tanz und kulturellen Veranstaltungen. Besonders das Fest in Puerto de la Cruz erfreut sich jedes Jahr steigender Besucherzahlen. Eine Reise ohne Teilnahme an diesem Lebensfreude überschäumenden Fest wäre nicht komplett.
Schon Anfang Juli beginnen am Hafen von Puerto de la Cruz die Vorbereitungen, denn seit Beginn des Monats warten alle auf das spektakuläre Fest „Nuestra Señora del Carmen„. Die Prozession, bei der die Standbilder der „Virgen del Carmen„ und des Schutzpatrons der Fischer, San Telmo, in Booten auf das Meer hinausgefahren werden, begleitet von tausenden andächtigen Anhängern, ist wohl ein außergewöhnlicher und zugleich einzigartiger Ausdruck der Hingabe der Hafenbevölkerung.

An ihrem Ehrentag wird die Statue der heiligen Carmen, allerdings unter mißbilligenden Augen der katholischen Oberhäupter aus der Kirche getragen und auf ein bunt geschmücktes Fischerboot gebracht. Auf dem Weg dorthin schwankt die Figur desweilen bedenklich. Sie wird von den Fischern, die sich schon durch ein paar Gläser gestärkt haben, ab und zu geschaukelt – vielleicht um sie an die schwankenden Nachen der Seeleute zu gemahnen. Außerdem – und das ist Teil der Tradition – fluchen sie zum Mißfallen der Geistlichen gelegentlich laut, damit die Jungfrau nicht meine, sie dürfe in ihren Anstrengungen zugunsten der dem Meer Ausgelieferten je nachlassen. Wenn dann das Horn im Hafen zur Prozession bläst, werden die Fischerboote ins Meer stechen. Die „Patrona de los Pescadores„, wie man Carmen hier liebevoll nennt, wird von etwa fünfzig Booten begleitet. Den Bootsdekorationen sind keine Grenzen gesetzt: Palmenblätter, Blumen und Fahnen aller Nationen schmücken die kleinen Boote. Einige Kähne erwecken den Eindruck, daß sie den Hafen nicht mehr erreichen würden, weil die Menschenmengen und die üppige Dekoration die Boote regelrecht unter Wasser drücken. Kapitäne werfen zu Ehren der Carmen Rosen ins tiefblaue Meer und so mancher Tourist springt vor Freude in die Fluten und ist mit den Einheimischen plötzlich auf „Du„, auch wenn sie sich nicht wirklich verständigen können. Vom Puerto Pesquero aus rudern die Fischer vorbei an der Playa Jardín nach Punta Brava und wieder zurück in den Hafen.

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Juli 2006
Gestalteter Stein
Teneriffa – ein architektonischer Schmelztiegel

Als die Eroberung der Insel im 15. Jhd. vollzogen war, war auch das Ende der Guanchen-Höhlen angebrochen. Die „Conquistadores„ brachten ihre Lebens- und Wohngepflogenheiten mit auf die Insel. Bald prägte sich eine Dreiteilung in dem „kolonialen„ Bauwesen heraus, die sich in Kultbauten (Kirchen, Kapellen, Klöster), bürgerliche Bauten und Befestigungsanlagen aufteilte. Die Kirchen waren schlicht, nüchtern, hatten einen dreischiffigen Grundriß, und das Holzdach wurde von Bögen und Säulen getragen. Klöster dagegen waren geschlossene Komplexe mit einem vier- oder achteckigem Hof. Im Bauwerk selbst waren Arbeits- aber auch Geschäftsräume angeordnet.
Bürgerliche Gebäude machten den Unterschied zwischen arm und reich deutlich. Hier wird die Klassensituation zwischen der herrschenden Schicht und dem einfachen Volk sichtbar.
Festungsbauten, Bollwerke und Kastelle wurden gleich nach Inbesitznahme errichtet und waren zunächst am wichtigsten. Die Ureinwohner brauchte man bald nicht mehr zu fürchten, aber es gab noch eine Bedrohung durch andere Kolonialmächte sowie durch Piraten und Freibeuter, gegen die sich die spanische Krone zu wehren hatte. Solche Festungsbauten sind sehr einfach in der Anlage. Man findet auf Teneriffa nur wenige. Rudimente, Beispiele jedoch am Zollhaus , dem Castillo San Felipe und der Hafenanlage in Puerto de la Cruz, ebenso das „Castillo Negro„ neben dem Auditorio und das Castillo de Paso Alto mit der berühmten Kanone „El Tigre„ (Nelson) in Santa Cruz.

Durch die Landaufteilung entstand schnell eine neue Insel-Aristokratie. Auf ihrem neuen Landbesitzen strebten sie nach Möglichkeiten, ihren gesellschaftlichen Status nach außen deutlich zu machen. Hier liegt der Ursprung des Herrenhauses, der „Casa señorial„. Diese Bauten haben eine recht einfache Fassade. Großer Wert wurde lediglich auf das Portal mit dem Familienwappen gelegt und auf die Außenbalkone. Doch dann die Innengestaltung! Abgesehen von den palastartigen Räumen mit dem typischen Mobiliar, oft skurrilen Kaminen und den Sitzbänken an den Fenstern für die Señoras, galt alle Sorgfalt der Gestaltung des Hofraumes, dem Patio. Von ihm aus gelangt man in das obere Stockwerk mit den kunstvoll geschnitzten balcones. In solchen Prachthäusern waren natürlich Weinkeller, Kornkammern, Stallungen und – eine Hauskapelle selbstverständlich. Gute Beispiele sind das „Abaco„, in Puerto de la Cruz oder die vielen Patrizierhäuser in La Laguna, aber auch in La Orotava, wie die Casas de Los Balcones.
Als die europäische Baukunst auf der Insel Einzug hielt, hatte das Festland gerade seine gotische Epoche. Das kann man hier noch in den größeren Städten auf der Insel betrachten. Absolut stilreine Gotik ist jedoch spärlich, denn die Spanier brachten schon ihre nationalen Elemente mit in den Stil ein, besonders maurische Traditionen aus Andalusien. Interessant ist die Entwicklung des spanischen Mudéjar-Stils. Als im 15. Jhd. die christlichen Könige die bisherigen maurischen Landesteile vereinnahmten, integrierten sie viele der begabten maurischen Architekten, die zum Christentum konvertierten, „Mudéjaves„ genannt. Ihre Baukünstler entwickelten einen Stil, der im wesentlichen eine Verbindung zwischen gotischen und maurischen Elementen darstellt. Typisch für diesen Mischstil sind Hufeisenbögen, reicher Stuck, Majolika-Ornamente und Keramik mit geometrischen Mustern, wie wir sie auch auf den kanarischen Inseln antreffen.
Im Laufe des Einzugs der Renaissance kreierten wiederum spanisch-maurische Architekten eine prägende Neuform, die als „Plateresk-Stil„ bezeichnet wird. Hauptmerkmal waren feingliedrige Gitterwerke, die von der Kunst der Goldschmiede beeinflußt war. Fast ein Jahrzehnt lang dominierten diese beiden Stilarten in Südspanien und demzufolge auch auf den Kanaren, besonders auf Teneriffa und La Palma. Zu diesen Mischstilen kamen als insulare Besonderheit im Baumaterial die unverwüstliche kanarische Kiefer, Zeder und der Lorbeerbaum für ein fein gegliedertes Holztafelwerk, besonders in den Kirchen oder größeren Hallen bei Decken mit reich verzierten Dachbalken.

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Juni 2006
Sonnenwende auf Teneriffa
Feuerzauber in der Noche San Juan

„In welchem Monat befinden wir uns eigentlich, Mai… Juni… oder doch November?„ Einen eintönigeren Job als Wetter-Ansager beim kanarischen Fernsehen kann es eigentlich gar nicht geben auf Teneriffa, schließlich herrscht hier das ganze Jahr über mehr oder weniger Sommer. Das Schöne und Besondere an den klassischen Sommer-Monaten auf Teneriffa ist jedoch die Fülle an traditionellen Feierlichkeiten. Die mit den kanarischen Brauchtümern fest verwurzelten Einwohner feiern an diesen Tagen so ausgelassen, wie die zahlreichen Touristen, deren Motivation in erster Linie in der puren Urlaubs-Lust begründet liegt. Die Sommernächte hierzulande werden jedenfalls nicht selten bis in die frühen Morgenstunden ausgekostet, und da bietet sich die Nacht vom 23. auf den 24. Juni in diesem Jahr besonders an: „La Noche de San Juan„! Die Meisten unter uns können mit dem Begriff „Sommersonnenwende„ sicherlich mehr anfangen, am lebendigsten ist die Tradition der „Mittsommernacht„ allerdings in Skandinavien. „Die weißen Nächte„, an denen es die ganze Nacht durch taghell bleibt, machen Mittsommer in Schweden, Finnland und Norwegen zum zweitgrößten Jahresfest nach Weihnachten. Kaum verwunderlich, nach den harten und langen Winter-Monaten.
Aber bleiben wir im heimischen Süden, bevor es uns gedanklich zu schattig wird. Ganz so einen hohen Stellenwert wie in Skandinavien hat Mittsommer auf den Kanarischen Inseln nicht. Dafür ganz eigene, liebenswerte Traditionen und Bräuche, bei denen es sich lohnt, dabei zu sein oder gar teilzunehmen.

Am längsten Tag des Jahres wird vor allem der licht- und wärmespendenden Sonne gehuldigt, mit der Bitte, daß sie ihre Kraft und Stärke nicht verlieren möge. Der christliche Ursprung der Feierlichkeiten liegt in der Geburt von San Juan Bautista (Johannes der Täufer). Dessen Vater Zacharias überbrachte der Familie die gute Nachricht von seiner Geburt, indem er Feuer entzündete und darüber sprang, wobei mit der Geschichte ein uralter Brauch einfach für das Christentum umgeschrieben wurde, wie so viele andere Bräuche auch.
Bis heute prägen zwei Naturgewalten die kürzeste Nacht des Jahres auf Teneriffa. Es sind Feuer und Wasser, deren reinigende Kräfte die Menschen hier seit jeher nutzen, um sich für das bevorstehende Jahr Glück zu sichern und Unheil zu verbannen. Überall auf Teneriffa und den anderen Kanareninseln lodern große Feuer, Blumen schmücken die Strände, bunte Kerzen sowie kleine Lagerfeuer brennen überall und lokale Musikbands untermalen die Stimmung allerorts - natürlich werden auch in diesem Jahr wieder atemberaubende Feuerwerke gezündet, um der Nacht ihren besonderen Stellenwert zu verleihen. Es heißt, daß in dieser magischen Nacht das Baden im Meer und das Springen über Feuer, den Körper und die Seele reinigen. Der alte Ballast fällt ab und ein neuer Abschnitt kann beginnen. In verschiedenen kleinen Ritualen wird das Glück beschworen.

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Juni 2006
Corpus Christi
In La Orotava blühen wieder die Strassen

Andere Länder, andere Sitten, andere Namen. In Spanien, also auch bei uns auf Teneriffa lautet der Name dieses Festtages CORPUS CHRISTI. Kalendermäßig notiert dieser Tag gleich dem anderer Länder, jedoch hier auf der Insel und speziell in La Orotava, auf welches wir uns beziehen wollen, datiert der Festtag immer eine Woche später, in diesem Jahr auf den 22. Juni. Anders als in den verweltlichten Ländern Mitteleuropas gestaltet sich dieser Tag hier mit erheblichem Aufwand an Prunk und Pomp. Explizit in La Orotava. Aus der historischen Barockkirche „Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción„ wird das Allerheiligste Sakrament – also der Leib Christi – in feierlicher Prozession durch die Straßen der Stadt getragen. Diesem Festzug, angeführt von den kirchlichen Würdenträgern folgen die Ehrendamen, die Honoratioren der Stadt, weltliche Repräsentanten und der lange Zug der Gläubigen, wobei sich auch Touristen einreihen. Besinnung, Andacht und Einkehr prägt diese Prozession.
Nun hat diese Festlichkeit in La Orotava schon eine lange Tradition. Im 18. Jhd. aber verfielen die Festlichkeiten oft zu vulgären Spektakeln nach der Prozession. Es mußte etwas geschehen, um die Heiligkeit des Festes zu wahren. Da hatte 1847 die adelige Doña Leonor de Castillo de Monteverde eine großartige Idee, um die Szene zu beruhigen. Um die Prozession zu retten, ihr die Würde zu erhalten und sie ebenso zu grüßen, legte sie vor ihrem Stammhaus in der Calle Colegio einen einfachen Blumenteppich aus. Es war der erste seiner Art, und er sollte zu einer Masseninitiative wachsen. Gestaltet wurde dieser einfache Teppich von Maria Teresa Monteverde Bethancourt, unterstützt von ihrer Nichte Pilar Monteverde y del Castillo. Nun – so ganz neu war diese Idee nicht. Ursprünglicher Kern derartiger Blumenornamentik findet sich längst schon in den Ländern um das Mittelmeer. Italien, Frankreich, auch Portugal und Festlandspanien bedienten sich schon dieses uralten Brauches zu diversen Festivitäten. Seine Ursprünge reichen bis nach Indien, Sri Lanka, Nepal und Tibet. Dann aber faßte dieser Ritus auf unserer Insel Fuß. Der Teppichentwurf der Damen basierte auf barocken Pflanzenmotiven. Sie hatten die Anregung dafür aus dem Königreich Neapel. Heute werden die Entwürfe mit speziellen selbstgebauten Holzrahmen und großen Papierbögen auf das Straßenpflaster übertragen und mit vielfarbigen Blütenblättern aufgefüllt. Darüber schreitet dann die Fronleichnamsprozession, und in weniger als einem Tag ist es wieder vorbei mit der vergänglichen Pracht.

Diese Tradition begann also vor 160 Jahren. Von rein floralen Mustern kam man bald auf figurale Darstellungen. Großen Einfluß hatte dabei auch die „Mudéjar„-Stilkultur. Und schon ab 1851 wurden auch feste, zerkleinerte trockene Materialien in die Teppiche mit einbezogen wie schwarz geröstetes Erikakraut, auf dessen Hintergrund die Blüten noch schöner leuchten. Neue Musterentwürfe entstanden. „Alfombra„ heißt er noch heute, also Teppich. Solche Teppiche, die einen regelrecht erzählenden Inhalt von biblischen Episoden haben, zieren bis heute Jahr für Jahr sensationell das Fest zu Corpus Christi – nicht nur in La Orotava, es gibt auch Parallelen u.a. in La Laguna, Tacoronte sowie auf den Nachbar-Inseln. Die kreativsten Künstler haben sich inzwischen zur Vereinigung der „Tapistas„ zusammengefunden und arbeiten an der Weiterentwicklung der alten Tradition. Mit Beginn des 20.Jahrhunderts wird aber eine neue Idee kreiert.

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Juni 2006
Die Fußball-WM in Deutschland
Hoffnungen und Erwartungen

Aber nicht nur im Fußball hängen wir unserer Form weit hinterher, bildungstechnisch ebenso wie wirtschaftlich lassen wir uns ausbremsen. Da kommt eine Weltmeisterschaft genau richtig. Motivierend soll sie wirken, nicht nur auf Spieler und Fans, auch auf Firmen und Investoren. „Es muß ein Ruck durchs Land gehen,„ hatte Bundespräsident Herzog einmal gesagt, eine Euphoriewelle die alle mitnimmt. Dach darauf warten wir heute noch.

Über kein Ereignis wurde in den letzten Monaten soviel geschrieben wie über die WM 2006. Kein Wettbewerb polarisiert die Massen so sehr wie eine Fußballweltmeisterschaft. Deutschland erwartet so viele Besucher wie schon lange nicht mehr. Das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden„ ist nicht zufällig gewählt: Jetzt können wir endlich zeigen, wie gastfreundlich wir tatsächlich sind – jedenfalls sehr viel gastfreundlicher, als oft behauptet wird. Die ständig thematisierte angebliche „Fremdenfeindlichkeit„ hat sich wiederholt als Medienbluff herausgestellt, nachdem herauskam, daß der Potsdamer Äthiopier mit über 2 Promille Alkohol Streit gesucht und dann auch gefunden hatte und der angeblich verprügelte Italiener schlicht im Suff vom Bahnsteig gefallen war. Auch Schlägereien zwischen Hooligans haben eher mit Alkohol zu tun als mit „Fremdenfeindlichkeit„. Das wirkliche Problem bei der WM wird eher der Schutz vor Anschlägen sein, denn Großveranstaltungen sind anziehend für Terrorismus jeglicher Couleur.

Aus sportlicher Sicht hat uns unsere Mannschaft seit 1990 enttäuscht, sehen wir mal von der WM 2002 in Korea ab. Da hatten wir aber tatsächlich nur schwache Gegner zu bezwingen, und gegen die erste große Nation in diesem Turnier haben wir dann verloren. Doch immerhin reichte es zum Vizeweltmeister 2002. Bis auf dieses eine Turnier hat sich die Nationalmannschaft in den letzten Jahren meist damit begnügt, die Erwartungen eben nicht zu erfüllen, sondern kläglich in vielen Wettbewerben zu scheitern – das letzte Mal bei einer Europameisterschaft gegen die B-Auswahl von Tschechien.

Auch die Bundestrainerfrage wird, seitdem Franz Beckenbauer zurückgetreten ist, ständig verschleppt. Berti Vogts, der immerhin Europameister wurde, war als Bundestrainer nie wirklich akzeptiert. Das ist auch schwierig, wenn man in die Fußstapfen einer „Lichtgestalt„ tritt. Auch Erich Ribbeck war eine Notlösung, genauso wie Rudi Völler – wir erinnern uns alle an die Sitzungen der Bundesligisten. Rudi Völler hatte aber immerhin den Mut, live im deutschen Fernsehen die Mißstände beim Namen zu nennen – und er hatte Recht. Der Anspruch der deutschen Fans orientiert sich halt immer noch an 1990. Aber wie soll man diesem gerecht werden, in einer Zeit, wo Fußball auf die Mattscheibe verdrängt wurde? Wo sind sie denn, die „Ballacks der Bolzplätze„, die im Rahmen eines deutschlandweiten Gewinnspiels gesucht wurden? Wann hat denn bei Ihnen das letzte Mal der Junge aus der Nachbarschaft den Ball aus dem Vorgarten geholt, weil er ihn beim Freistoßtraining a la Roberto Carlos zum 25. Mal daneben geschossen hat?

Tatsache ist, daß andere Nationen längst an uns vorbei gezogen sind. Das hat Völler in seiner Wutrede auf das deutsche Fernsehen völlig richtig festgestellt. Die Unterschiede sind nicht mehr groß. Mittlerweile kann auch Costa Rica Deutschland schlagen – und genau das werden sie auch versuchen, die Erfurcht vor der großen Nation .

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Mai 2006
Shakira singt auf Teneriffa
Heiße Rhythmen und scharfe Hüften

Das Hauptstadt-Stadion wird wieder einmal zum Schauplatz eines großen musikalischen Ereignis. Die kolumbianische Sängerin und Produzentin Shakira wird am 5. Juli ihre neue CD „Fijación oral” im Heliodoro-Rodriguez-Lopez-Stadion zum Besten geben. Das Album „Fijación Oral“, das im Sommer 2005 erschien, war Platz eins der deutschen Albumcharts. Bisher kann die 29-jährige auf acht Millionen verkaufte Alben zurückblicken. Musikalisch läßt Shakira keine Langeweile aufkommen. Sie setzt auf erdigen Gitarrenrock, den sie mit aufsässigen Texten verfeinert. Ein Schuß Pop für die Hitparadentauglichkeit, dazu einen Traumkörper, blonde Löwenmähne und jede Menge Selbstbewußtsein - fertig ist der perfekte Mix mit eingebauter Erfolgsgarantie.

Shakira - mehr als nur One-Hit-Wonder

Latino-Star ShakiraAngefangen hat alles am 2. Februar 1977, als Shakira Isabel Mebarak Ripoll, so ihr bürgerlicher Name, in Kolumbien zur Welt kam. Mit acht schrieb sie ihre ersten Songs, mit 15 beendete sie die Highschool und produzierte ihr erstes richtig erfolgreiches Album „Pies Descalzos“ (Barfuß).
Im Frühjahr 2005 entstand die Single „La Tortura“ vom neuen Studioalbum „Fijación Oral“ in spanischer Sprache und war mit 200.000 verkauften Platten der Hit des Sommers 2005.

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Mai 2006
Die Windmühlen von Fuerteventura
Alte Getreidemühlen neu entdeckt

Wer die westlichen Inseln des kanarischen Archipels kennt, mit ihren steilen Barrancos und schroffen Klippen, der fühlt sich auf Fuerteventura in eine andere Welt versetzt: Weite, ebene Flächen und trockene, rund erodierte Hügel erinnern eher an die Wüsten Südmarokkos als an Teneriffas Lorbeer- und Kiefernwälder. Braune, dürre Erde, auf der die Schatten der Wolken spielen, einsames Land zudem, abgesehen von ein paar Touristenhochburgen an den karibisch-weißen Sandstränden.

Und doch war dieses hügelige Eiland einst die Kornkammer der Kanaren – kaum vorstellbar für den heutigen Besucher. Es muß hier früher wesentlich mehr geregnet haben. Doch seit den fünfziger Jahren nahmen die Niederschläge stetig ab, die Quellen versiegten, das Land trocknete aus, wie uns ein älterer Einwohner klagte. Heute wird das Wasser für die Touristen mit Tankschiffen eingeführt, und einige Entsalzungsanlagen ergänzen das verbliebene Quellwasser zu Preisen, die die Bewässerung teurer machen als der mögliche Ertrag bäuerlicher Mühe. So bleiben heute nur noch die Ziegen, das Wahrzeichen der Insel, neben dem Fischfang als traditionelle Nahrungsquelle. Ihre anspruchslose Gefräßigkeit trägt allerdings ihren Teil zur weiteren Verwüstung des Landes bei. Als Zeugen einstigen Wohlstands trifft man noch heute allenthalben auf Windmühlen, denn schließlich ist Fuerteventura ja die Insel der „starken Winde“, daher ihr Name. Neben den modernen Windrädern zur Stromerzeugung und den windgetriebenen Wasserpumpen – das sind die mit den vielen Rotorblättern, bekannt aus Western-Filmen – hat man einige der alten Getreidemühlen liebevoll restauriert. Im Dörfchen Tiscamanita hat die Inselregierung sogar ein kleines Mühlenmuseum eingerichtet, samt funktionsfähiger Windmühle alter Bauart. Hier kann man den bäuerlichen Alltag vergangener Zeiten studieren, und man erfährt so einiges über eine einstmals sehr lebendige Kultur.

Die Steinmörser
Schon vor der Eroberung durch die Spanier bildete Getreide die Basis der Ernährung der „Majos“, wie die Ureinwohner dieser Insel genannt wurden. Das Korn wurde sowohl zu Mehl als auch zu Gofio zermahlen. Für den Gofio wird das Korn vor dem Mahlen geröstet, wodurch es würziger und schmackhafter wird. Zum Mahlen verwendete man Steinmörser in verschiedenen Größen – Mühlräder wurden erst von den Kolonisatoren eingeführt.

Die Handmühle
Die Mühlräder waren zunächst handbetrieben. Diese Handmühlen fanden sich bis vor einigen Jahrzehnten in fast jedem Bauernhaus der Insel, meist in einer Ecke der Küche. Das untere Rad lag fest, während das obere durch einen Stock gedreht wurde. Dieser ragte in ein Loch im Mühlstein und war oben in einem Holz gelagert, dessen Loch genau über der Drehachse lag. Das Getreide füllte man in das zentrale Loch des Mühlsteines, das Mehl kam an der Außenseite zum Vorschein. Eine solche Hausmühle kann man auf Teneriffa z.B. noch im ethnographischen Museum Valle Guerra (direkt an der Hauptstraße nach Tacoronte) ausprobieren, wenn gerade keiner hinschaut.

Die „Tahona“
Mit dem Bedarf wuchs auch die Größe der Mühlen. Die nächste Entwicklung war die „Tahona“, bei welcher der Mühlstein über ein hölzernes Zahnrad von einem Kamel oder einem Esel angetrieben wurde, der im Kreis um die Mühle laufen mußte. Dieses Prinzip wurde auch zu Bewässerungszwecken verwendet: statt des Mühlsteines wurde ein Wasserrad zum Schöpfen des Wassers auf eine höhere Ebene angetrieben.

Der „Molino“
Der wahre Fortschritt kam aber Ende des 17. Jahrhunderts in Form der Windmühle aus Europa. Die Bauform des „Molino“ ähnelt der aus Holland bekannten, obwohl jene dort vorwiegend zum Entwässern der unter Meereshöhe liegenden Polder verwendet wurden. Der starke Wind Fuerteventuras begünstigte den Bau der Mühlen speziell im kornreichen Norden der Insel. Die Mühlenflügel konnten je nach Windstärke mehr oder weniger mit Leinen bespannt werden. Sollte der Wind einmal ganz ausbleiben, behalf man sich mit den alten Tahonas und Handmühlen. Das Dach der Windmühle mit der Achse der Flügel konnte komplett in die Windrichtung gedreht werden, da die Achse der Mühlsteine genau in der Mitte des Turmes und somit symmetrisch lag. Das mannshohe Zahnrad, getrieben von der Flügelachse, einem vierkantig bearbeiteten Baumstamm, drehte ein kleines Zahnrad, dessen Achse wiederum einen Mühlstein antrieb. Der Müller trug die Kornsäcke nach oben, leerte sie in einen hölzernen Trichter mit Schütte, die das Korn in die Mitte der Mühlsteine leitete. Das frische Mehl wurde in hölzernem Schacht nach unten geführt, direkt in den bereitstehenden Mehlsack. Eine recht aufwendige Mechanik, die großem Verschleiß ausgesetzt war. Immer wieder mußten die Achse und Zahnräder gefettet und mit Wasser gekühlt werden, damit sie nicht zu heiß liefen. Die Zähne aus Hartholz mußten oft ersetzt werden, und selbst neuere Zahnräder aus Eisen wurden stark abgenutzt, wie man an den Exponaten des Museums sehen kann.

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Mai 2006
Stadt zwischen Land und Meer
Garachico gedenkt seiner Zerstörung vor 300 Jahren

Daß die Kanarischen Inseln vulkanischen Ursprungs sind, ist den meisten Besuchern durchaus bewußt, zumal der größte Vulkan Spaniens, der Pico del Teide, unübersehbar über allem thront. Über Millionen Jahre, so lehren es die Geologen, hat die Erde hier Feuer und Lava ausgespuckt, bis die viertausend Meter vom Meeresgrund bis zur Wasseroberfläche erreicht waren und Inseln entstanden.

Aber auch dann gab die Natur noch keine Ruhe – weitere Tausende Meter Material wurden aufgehäuft, und so entstanden die bizarren Felslandschaften, die wir heute so bewundern. Nun hat sich vulkanische Aktivität zwar zurückgezogen, aber ganz ruhig ist es auf den Kanaren nie geworden.

In geschichtlicher Zeit, und das sind hier die letzten ca. 600 Jahre seit der Entdeckung durch Portugiesen, Genueser und Spanier, kam es immer wieder zu Ausbrüchen, und zwar auf allen Inseln. Das wundersame daran ist, daß diese hier niemals so plötzlich erfolgten, daß Menschen dabei ihr Leben lassen mußten. Immer ließen ihnen die Vulkane genug Zeit, sich in sichere Gefilde zurückzuziehen. Das galt auch für den zerstörerischsten Ausbruch auf den Kanaren: die Vernichtung Garachicos am 5. Mai 1706. Damals war der Ort kein verschlafenes Provinznest, sondern der wichtigste Hafen der Insel. Gegründet von italienischen Kaufleuten, entwickelte sich Garachico dank seiner geschützten Hafenbucht bald zu einem prosperierenden Handelsplatz. Der Name stammt entweder von dem guanchischen Vornamen „Gara” oder von „Igara”, was Insel heißen soll. „Chico” ist Spanisch für „klein”, also „kleine Insel” wie der Felsen im Meer, das Wahrzeichen der Stadt.

Die ersten 200 Jahre - In den ersten beiden spanischen Jahrhunderten blühte der Handel in Garachico. Zum einen waren kanarische Häfen wichtige Zwischenstation auf dem Weg in die amerikanischen Kolonien, zum anderen entwickelte sich ein reger Handel vor allem mit England und Flandern.

Exportschlager waren damals Zuckerrohr und der berühmte Malvasía-Wein. Die Bananen kamen erst später hinzu. 1575 wurde zum Schutz des fl orierenden Hafens das Castillo San Miguel errichtet, das man noch heute besuchen kann. Damals besaß die Stadt zwei Kirchen, ein Hospital, fünf Klöster und zahlreiche Kapellen und Herrenhäuser. Jedoch gab es auch damals schon diverse Katastrophen, von denen sich die Stadt aber immer wieder erholt hat: 1559 eine starke Flut mit Überschwemmungen, 1659 eine Heuschreckenplage, 1692 und 1697 Brandkatastrophen. Schlimm war auch die Pestepidemie von 1601 bis 1606. Damals begann man mit der Verehrung von San Roque, dem Stadtheiligen. So feiert man 2006 ein doppeltes Gedenkjahr: 300 Jahre Vulkan und 400 Jahre Ende der Pest.

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April 2006
Sandskulpturen
Wasser, Sand und heiße Luft

In der schönsten Nachmittagshitze eines sonnigen kanarischen Tages besuchen wir Claus am Strand von San Agustín. Claus ist Bildhauer und arbeitet mit den hier naturgegebenen Mitteln: Luft, Sand und Wasser. Das heißt, Claus kreiert Sandfiguren, direkt am Strand vor den Augen der vielen Touristen und Schaulustigen, die die Strandpromenade entlang flanieren.

Von morgens früh bis in die späten Nachmittagsstunden geht Claus hier seinem Handwerk nach und läßt sich bestaunen von den mehr oder minder bekleideten Passanten. Auf den Knien im Sand mischt er Sand und Wasser, bis der nasse Sand die richtige Konsistenz für den Bau einer Sandskulptur hat. Es folgen drei bis vier Stunden Handarbeit an jeder einzelnen Figur, und fertig sind die kleinen Meisterwerke. Da thront der Sandlöwe „Simba“ mitten am Strand, zwei Leguane „Tom und Jerry“ schmiegen sich aneinander, und ein Sandkrokodil schlummert träge vor sich hin. Die drei Figuren haben Ausmaße von 50 cm bis über einen Meter und gruppieren sich im Halbkreis um die Schale, in die spendable Vorbeiziehende ihre Münzen werfen. Wirklich profitabel sei der Job nicht, so Claus, aber zum Leben reiche es gerade eben so. Ein Blick auf die Tageseinnahmen bestätigt seine Äußerung, ungefähr zwanzig Euro haben ihren Weg aus den Taschen der Touristen in die Tageskasse von Claus gefunden. Claus sieht das ziemlich locker: „Wer sehen und geben will, der tut es und wer nicht, der läßt es eben“.

Unabhängig davon liebt er seinen Job. Den ganzen Tag an der frischen Luft, direkt am Meer, kann er seine Art und Weise der Kunst verwirklichen, ohne Streß, ohne Chef, mit vollkommen freier Zeiteinteilung. Sein Dasein als Sandfigurenbauer kommt dem „Ich bin reif für die Insel“ -Slogan vielleicht sehr nahe. Der konsequente Ausstieg aus hergebrachten Werten in ein Leben, das von einem Tag zum anderen friedlich und gelassen dahin fließt. Genau wie der nasse Sand, der sich unter seinen Händen dank Talent und mühevoller Kleinstarbeit zu kunstvollen Figuren formt.

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April 2006
Reiseland Uruguay
Die "Schweiz" von Südamerika

Die República Oriental del Uruguay („Republik Östlich des Uruguay“) ist nach Surinam das zweitkleinste Land Südamerikas. „Die Schweiz von Südamerika“, wie der Staatenzwerg früher vor allem wegen der luxuriösen Ferienorte und der hohen Bankenkonzentration häufig genannt wurde, scheint, im Gegensatz zu seinen großen Nachbarstaaten Brasilien und Argentinien, von europäischen Touristen bisher noch nicht entdeckt worden zu sein.

Montevideo
Wenn man durch Uruguay reist, trifft man hauptsächlich auf einheimische oder argentinische Touristen. Sicherlich hat Uruguay keine spektakulären Naturschauspiele wie z.B. Venezuela oder Chile zu bieten, aber neben den kilometerlangen weißen Traumstränden, gibt es in dem kleinen Land viel zu entdecken.

Mit rund 176.000 Quadratkilometern Fläche ist Uruguay immerhin halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, jedoch leben hier gerade mal 3 Mio. Einwohner. Die einstigen Ureinwohner waren die Charrua Indianer, welche im 19. Jahrhundert zum großen Teil ausgerottet worden sind. Heute sind die Einwohner Uruguays mehrheitlich europäischer Abstammung. Viele sind im Ausland geboren und kommen vorwiegend aus Spanien und Italien sowie aus Brasilien, Argentinien und Frankreich. Eine ursprünglich indianische Bevölkerung ist nicht mehr vorhanden, nur etwa 5 bis 10 Prozent sind Mischlinge europäischer und indianischer Abstammung. Den Lebensmittelpunkt Uruguays bildet die Hauptstadt Montevideo, in der rund die Hälfte der Landesbevölkerung lebt.

Gelegen am breitesten Fluß der Welt, dem Rio del Plata, ist Montevideo eine Großstadt, die im Vergleich zu Buenos Aires relativ beschaulich ist. Überhaupt scheint der Lebensrhythmus auf dem Stand der fünfziger Jahre zu verharren, und die übliche Hektik südamerikanischer Metropolen ist hier auf ein Minimum beschränkt.

Montevideo wirkt wie die provinzielle Hauptstadt eines großen Bauernhofes, der “Estancia Uruguay”, die zu achtzig Prozent aus Weideland besteht, und auf der es viermal soviel Rinder wie Menschen gibt. Die Ciudad Vieja (Altstadt) ragt als kleine Halbinsel in den Rio Plata hinein und ist im typischen Schachbrettmuster der spanischen Kolonialstädte angelegt. Stark geprägt durch den großen Zustrom von spanischen und italienischen Einwanderern im frühen 20. Jahrhundert, erinnert dieser Stadtteil besonders stark an Europa. Hier findet man viele Antiquariate mit alten Büchern, Landkarten, vergilbten Bildern, Kneipen mit mindestens 70 Jahre alter Einrichtung: Die ganze Stadt ist ein riesiger Antikmarkt – leider einer, dem derzeit die Kaufkraft fehlt, denn die Wirtschaftskrise Argentiniens geht auch am kleinen Nachbarn Uruguay nicht spurlos vorüber. Das Herz der Ciudad Vieja bildet die „Plaza Independencia“. In der Mitte des Platzes steht das „Mausoleo de Artigas“, die berühmte Grabstätte von José Gervasio Artigas, der 1811 den Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier und die Portugiesen ausrief und deshalb bis heute als Befreier und Staatsgründer Uruguays gilt. Der eindrucksvolle „Palacio Salvo“ war mit seinen 26 Stockwerken bis 1927 das größte Gebäude Südamerikas und ist bis heute das größte Montevideos. Einen zweiten Blick verdient auch das „Teatro Solis“, das stolz auf seine 150-jährige Geschichte blickt, in deren Verlauf es Berühmtheiten wie Sarah Bernhard, Toscanini und Caruso präsentieren durfte. Glücklich sind die Hauptstädter auch darüber, daß sie ihren eigenen Strand (Playa Pocitos) vor der Haustür haben. Die Menschen klemmen sich in der Mittagspause ein Handtuch unter den Arm und tauschen innerhalb von wenigen Minuten das stickige Stadtviertel gegen einen luftigen Platz an der Sonne ein.

Uruguay - Paradies für Strandfans
Das Land bietet an seiner 300 km langen Atlantikküste die schönsten Strände Südamerikas.
Der bekannteste Badeort ist Punta del Este, etwa 120 km östlich von Montevideo gelegen. In den Hochsommermonaten Dezember bis Februar ist die Stadt der Treffpunkt der mondänen südamerikanischen Welt. In diesen Monaten schwillt die Einwohnerzahl von 30.000 auf über 200.000 Menschen an. Neun Kilometer entfernt von Punta del Este liegt die Isla de Lobos (Insel der Seehunde). Mit etwa 200.000 Seehunden, Seelöwen und See-Elefanten beherbergt das felsige Eiland die größte Kolonie dieser Meersäugetiere in Südamerika. Betreten darf man die Seehund-Insel nicht, aber man kommt mit einem Ausflugsboot nahe genug heran, um die Inselbewohner zu beobachten. Die Idylle der kleinen Seehundinsel steht im krassen Gegensatz zu dem hektischen Treiben von Punta del Este, dem Ausgangspunkt der Exkursion. Wer es lieber ruhig und ursprünglich mag, der sollte an der Küste in Richtung Nordosten weiterziehen, in die kleinen Fischerdörfer, die touristisch kaum erschlossen sind. In „Punta del Diablo“, das etwa 300 Kilometer von Montevideo entfernt liegt, findet man noch unberührte Strände.

Essen und Trinken
Schon wenn man durch Uruguays Landschaft fährt, begreift man die Bedeutung der Viehzucht. Der kleine Staat lebt bis heute überwiegend von seinen Agrarprodukten. Die Rinderfilets, die an jeder Ecke auf überdimensionalen Grills angeboten werden, treiben jedem Nicht-Vegetarier Freudentränen in die Augen. Für ein Kilo Rinderfilet werden 2 bis 3 Euro verlangt.

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April 2006
Mit der Sonne Geld verdienen
Strom selbstgemacht - Solaranlagen auf Teneriffa

Die Kanaren leben letztlich von der Sonne – denn genau die suchen Millionen von Urlaubern, die hier ihre Ferien verbringen und ihr Geld da lassen. Doch die Sonne sorgt nicht nur für Wohlbehagen und Bräune, sie gewinnt immer mehr an Bedeutung als kostenloser Energielieferant.
Neuartige Systeme machen Solaranlagen inzwischen für fast jeden Haushalt erschwinglich – eine Investition in die Zukunft, die sich lohnt, wie wir uns haben vorrechnen lassen. Das Journal der MegaWelle besuchte Dr. Peter Baz in Tacoronte, einen der Pioniere in Sachen Solarenergie auf Teneriffa. Dr. Baz hatte durch seine berufliche Arbeit bei der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) schon früher mit Alternativenergien zu tun. Seitdem er sich in Tacoronte niedergelassen hat, kümmert er sich privat um die Förderung der Solarenergie auf der Insel, auch in Zusammenarbeit mit Ricardo Melchior, dem Inselpräsidenten, mit dem er befreundet ist. In seinem Haus wird schon seit vielen Jahren das heiße Wasser von Solarkollektoren geliefert, auch für die Waschmaschine. Heißwassersysteme gibt es schon lange, die Technik ist relativ einfach und ausgereift.

Was erst in den letzten Jahren den breiten Markt erobert, ist die „Photovoltaik„, die Erzeugung von Strom mit Solarpanelen. Was im Campingbereich mit 12 Volt Gleichstrom schon lange funktioniert, ist für einen Haushalt um einiges aufwendiger und damit teurer. Der Gleichstrom muß nämlich durch einem „Wechselrichter„ erst umgewandelt werden, damit er das 230-Volt-Netz versorgen kann.
Das erfordert eine hohe Genauigkeit bei der Anpassung der Netzfrequenz von 50 Hertz, außerdem müssen hohe Ströme verarbeitet werden, denn die vielen Haushaltsgeräte können schon mal 3000 Watt an Leistung anfordern. Erst die Geräte der letzten Generationen schaffen das nahezu fehlerfrei, und so hat Dr. Baz vor zwei Jahren eine Photovoltaikanlage der deutschen Firma SMA installiert, die seither einwandfrei läuft. Man unterscheidet zwischen „Inselsystemen„ und „Einspeisern„. Das Inselsystem eignet sich für entlegene Häuser, wo ein Netzanschluß zu teuer käme. Es erfordert allerdings viele Akkus, um die gewonnene Energie zu speichern und auch nachts zu nutzen. Die Einspeisesysteme hingegen leiten den Strom sofort in das allgemeine Netz, so daß keine Speicherung nötig ist. Letztere wurden erst vor kurzem interessant, seit auch die UNELCO, nach deutschem Vorbild, den eingespeisten Strom gut bezahlt, und zwar mit derzeit 44,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das ist genau das 5,75-fache des Preises, zu dem UNELCO den Strom sonst erzeugen kann – also ein Subventionspreis, um solche Anlagen zu fördern.
Peter Baz nutzt also seinen Solarstrom nicht selbst, sondern verkauft ihn an die UNELCO,

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März 2006
Mit dem Fahrrad über den Wolken
Eine Erlebnistour über den Canadas

Es ist bewölkt in Playa de las Américas. Über den Bergen an der Südseite der Sonneninsel Teneriffa sieht es sogar erschreckend düster aus. Trotzdem kommt Dieter, einer der Aktivurlaub-Spezialisten von Diga Sports, auch an diesem Tag gut gelaunt und strahlend auf seine Kunden zu. „Sonnencreme dabei?“, so der Chef der Bike-Station grinsend, „heute geht´s auf den Teide!“ Die wartenden Biker blicken skeptisch. Sie befürchten Regen, Kälte und Wind auf ihrer 75 km langen Königsetappe in 2.300 Metern Höhe durch die Cañadas. Dieter schmunzelt: „Versprochen, wir fahren über den Wolken.“ Die anspruchsvolle Bike-Erlebnistour im „ewigen Frühling“ Teneriffas fällt also tatsächlich nicht aus – und schon gar nicht ins Wasser.

Am Berghang besteigen die Biker fröstelnd den Transferbus. Wie bei allen Touren sind die Räder nach Körpergröße der Teilnehmer sortiert und bereits auf dem Anhänger befestigt. Und dann rollt das Gespann mit Guides, Bikern und Bikes raus aus der verkehrsreichen Touristen-Metropole, über endlose Serpentinen hinauf nach Vilaflor, den höchsten Ort der Insel in 1.400 Metern Höhe. Hier hängt die Schlechtwetterfront regelrecht fest. Nebelschwaden mischen sich gespenstisch in die langen buschigen Nadeln des beginnenden Kiefernwaldes. Nur ein paar Höhenmeter weiter dringt bereits helleres Licht durch die Wolkendecke. Beim Sammelpunkt auf einem Grillplatz in 1.800 m Höhe herrscht Sonne pur. Unten versinken die Strände und Wälder unter einer weiten Wolkendecke, die sich den Bikern wie ein weicher Watteteppich präsentiert und zum Erinnerungsfoto einlädt. „Das Eincremen nicht vergessen!“ ruft Dieter, „Hier oben ist die Sonne besonders intensiv.“
Kein Wölkchen trübt also den Start der Königsetappe. Überall endlos stahlblauer Himmel. Bei diesem Anblick steigt die Lust, endlich aufs Rad zu kommen und auf gut asphaltierten Straßen durch die bizarren Felsformationen der Lavafelder zu düsen. „Man kann diese Tour mit dem Rennrad fahren oder mit dem Mountainbike, das extra mit schmalen Slicks ausgerüstet ist, um den Rollwiderstand zu minimieren“, erklärt Dieter. Es geht gleich bergauf. Der Führer rät zu einem gedrosselten Tempo. „Wir müssen uns zunächst an die Höhenluft gewöhnen“, so Dieter, „jeder muss sein eigenes Tempo wählen.“
Schon die ersten Eindrücke in 2.000 Metern Höhe sind überwältigend. Der eben noch dichte Kiefernwald reduziert sich auf einzelne Büsche und Sträucher, ehe sich die Vegetation in den Lavaströmen und den erodierten Tuffgestein- und Basalt-Türmen endgültig verliert. Die Biker gleiten leicht und locker durch eine atemberaubende Landschaft. Ihr Blick wandert über die Wolkendecke hinüber zu den Nachbarinseln La Gomera, La Palma und El Hierro. Nach ein paar engen Kurven und einer schnellen Bergabfahrt stoppt Dieter seine Truppe an der Boca de Tauce: „Hier beginnt der Nationalpark, jetzt rollen wir in die Cañadas del Teide.“
Endlich können ihn alle sehen: den Teide. Er wird die Radler auf ihrer gesamten Strecke durch die Caldera begleiten und immer wieder begeistern. An jeder Ecke bietet der majestätische Kegel, der Ursprung und Wahrzeichen der Insel zugleich darstellt, neue Facetten. Immer wieder stoppt Dieter seine Tour, um den Gästen Gelegenheit für Schnappschüsse von Flora und Fauna zu geben. Besonders farbenfroh sind die endemischen Pflanzen wie die Tajinaste mit ihrem fast zwei Meter hohen, roten Blütenstamm, der Teideginster mit seinen weißen bis rosafarbenen Blüten oder die Teide-Rauke, die mit ihren intensiven gelben Blüten und satten grünen Blättern einen tollen Kontrast zu den beige-braun-schwarzen Lavaströmen bietet.

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März 2006
Wem gehört Teneriffa wirklich?
Von den Guanchen über die Spanier zu den Touristen

Eine Historie, die Bibliotheken füllt. Eine Geschichtsepoche, die über ein Jahrtausend reicht. Eine Zeitspanne die so vielschichtig ist, daß es schon eines Studiums bedarf, um historisch, politisch und ethnografisch alle Einzelheiten zu analysieren. Wissenschaftler aller Couleur, neuere Forscher bis hin zu Journalisten haben sich fundiert um diese Thematik bemüht. Bis heute ist noch kein Ende abzusehen.
Bereits aus der Antike stammen die ersten Bezüge auf die Kanarischen Inseln. Mythische Ortsangaben von Homer und Hesoid erlauben bereits eine geografische Ortsbestimmung. Den frühesten erhaltenen Bericht über die Inseln überliefert uns aber der römische Sachbuchautor Plinius der Ältere (23 – 79 n. C.), doch damit endet vorläufig die Integration der Inseln in das damalige Weltbild. Erst um 1300 werden die Inseln wiederentdeckt. Hier beginnt eigentlich der Kontakt zwischen Europäern und den Inselbewohnern. Keine Sternstunde für die letzteren, denn es erfolgt erst einmal ein reger Sklavenhandel via Lanzerote in alle Himmelsrichtungen. „Bimbaches“ nannten sich selbst diese geknechteten Menschen.
Seeleute aus Genua, Katalonien, Mallorca, Kastilien und Portugal kreuzten bereits in den kanarischen Gewässern auf der Suche nach Sklaven. Allen voran der Genueser Lancellotto Malocello zwischen 1302 und 1338. Nun tauchten die Kanaren auch auf den Seekarten auf. Der Run auf die Inseln zur Sklavenbeschaffung begann. In Rom segnete der Papst die ganze Aktion höchstselbst ab. Es ging ja um die juristische Rechtfertigung zur „Christianisierung“ der Inseln. Dabei rangelten Portugiesen und Kastilier um die Oberhoheit. Nun, die Kastilier obsiegten. Über das ganze 15. Jhdt. dauerte der Prozeß der Eroberung an.
Beschränken wir uns in diesen Geschichtsfehden aber einmal auf unsere Insel, auf Teneriffa. Als größtes Eiland war es doch 1496 die letzte Eroberung im Kreis des Kanarengefüges. Wir wollen den ersten Eroberer, den Franzosen Jean de Béthencourt ruhig etwas in den Hintergrund stellen. Dieser klerikale, vorplutokratische Conquistador hat sich vorrangig auf den Nachbarinseln „berüchtigt“ gemacht.

Teneriffa und die Guanchen
Wo kommen sie her? Wir wissen es noch immer nicht genau. Es gab verwandtschaftliche Beziehungen zu Berberstämmen in Westafrika. Noch heute finden sich Namens-Parallelitäten zwischen ähnlich klingenden Namen auf Teneriffa und bei den Berbern, wie etwa die Wortelemente „Ten“ oder „Tin“ – genau in „Tenerife“ wieder zu finden. Thomas Nichols, der erste Engländer vor Ort, berichtete im 16. Jhdt. über die Eingeborenen von Teneriffa recht kurz: „....vor der Eroberung beherrschten 9 Könige die Inseln. Mit ihren Untertanen lebten sie in Höhlen und waren mit Ziegenfellen angetan“. Diese Menschen nannten sich Guanchen. Ihre Sprache unterschied sich wesentlich von denen der anderen Inseln. Archäologen und Prähistoriker einigten sich auf die einfachste Lösung: Alle Völkerschaften der Inseln sind GUANCHEN. Trotzdem hatte jede Insel innerhalb der gesamten Guanchen-Kultur ihren unverwechselbaren Eigencharakter. Man fand auf Gran Canaria ganze Dörfer aus der Höhlenkultur. Auf Teneriffa gibt es nur einen solchen Bau: Die „Cueva de los Reyes“ in Güímar. Höchst wahrscheinlich war es weniger eine Königsresidenz, sondern ein Kloster. Auf Teneriffa pflügten die Männer das Feld, die Frauen dagegen bestellten es, brachten die Ernte ein und lagerten sie. Man brachte das Erntegut in sogenannte „anchones“ ein, die nichts mit den Wohnhöhlen zu tun hatten. Die neun „menceyes“ (Häuptlinge) Teneriffas berufen sich auf die Abstammung von einem König (Beznuriia). Sie teilten sich die weite Hochebene der Cañadas de Teide als gemeinsames Weideland. Namen finden sich heute noch als Orts- oder Regionalbezeichnungen: Anaga, Tegueste, Tacoronte, Icod, Adeja, Abona oder Güímar.

Nach den Niederschriften von Thomas Nichols lebten die Guanchen von Ziegen und ihrer Milch. Ihr Brot nannten Sie „Gofio aus Gerstenmehl“. Gofio steht auch heute noch auf dem kanarischen Speisezettel. Allerdings wird es jetzt aus Mais oder Weizen gewonnen. Bei den Guanchen waren noch dazu jagen und fischen in Ufernähe hoch im Ansehen. Wildkatzen, Wildschweine und Vögel wurden gejagt. Metallverarbeitung war unbekannt. Sie benutzten Basalt zur Werkzeugherstellung. Feinere Schneidwerkzeuge fertigten sie aus schwarzem Lavaglas (Obsidian).

Im „Museo Arqueológico“ in Santa Cruz kann man heute die Exponate der Prähistorik besichtigen.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von Radio Megawelle zur verfügung gestellt.



März 2006
Killerwale im Loro-Park
Vier Orcas aus den USA eingeflogen

Einmal mehr ist der LORO-PARK um eine spektakuläre Attraktion reicher geworden: vier Killerwale, auch Schwertwale oder Orcas genannt, wurden in speziellen Containern in einem Jumbo-Jet in Teneriffa eingeflogen und dann auf Lastwagen in den Park gebracht. Die schwarz-weißen Meeressäugetiere wurden in den SeaWorld-Parks der USA geboren und werden im Rahmen eines langfristigen Zucht- und Showprogramms im LORO-PARK leben.

Im Zuge des Projekts wurden a cht Personen aus Teneriffa, die bis jetzt für die Betreuung von Delphinen zuständig waren, wurden in den USA in einem Zeitraum von 18 Monaten als Experten und Trainer für Killerwale ausgebildet. Diese hohe Investition garantiert, dass die Belegschaft vom LORO-PARK bis zur Perfektion trainiert wurde. Des Weiteren wird der LORO-PARK seine Anzahl an Mitarbeitern erhöhen. Zum Team gehören Betreuer, Tierärzte und Trainer, die Hand in Hand mit dem SeaWorld-Team arbeiten und sich mit den Betreuungs- und Trainingsgewohnheiten der amerikanischen Kollegen vertraut machen werden. Vier Wale, die sich in den vergangenen 18 Monaten besonders gut verstanden haben und zueinander passen, sind von SeaWorld in den LORO-PARK umgezogen.

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von Radio Megawelle zur verfügung gestellt.



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